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Wo Long: Fallen Dynasty Test - Einen besseren Zugang zu Souls und Masocore hätte ich mir nicht wünschen können

In der Struktur liegt Sicherheit.

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Wo Long bietet ordentlich Action, faire Herausforderungen und eine interessante Geschwindigkeit. Das neue Moralsystem bietet eine klare Struktur, die den Zugang zum Genre erleichtert.

Endlich habe auch ich meinen Weg in die Soulslikes gefunden. Dabei ist Wo Long: Fallen Dynasty ja streng genommen ein "Masocore". So bezeichnet es Team Ninja, das seinen Platz für knallharte Kämpfe in Actionspielen neben FromSoftware mit der Nioh-Reihe einnehmen konnte. Also ist Masocore eine Erfahrung für Masochisten, weil man so oft stirbt, wenn ich das richtig verstehe. Im Prinzip also ein Soulslike. Für Wo Long tat sich das Entwicklerstudio mit Koei Tecmo zusammen. Nicht weniger interessant ist, dass neben Team Ninjas bekanntem Gesicht Fumihiko Yasuda auch Bloodborne Entwickler Masaaki Yamagiwa am Spiel mitwirkt.

Schauen wir uns also mal an, warum ich finde, dass Wo Long so ein guter Einstieg in dieses Genre ist und ob es mit seinen Genrevertretern inner- und außerhalb des Studios mithalten kann.

Die Geschichte rund um die drei chinesischen Reiche, Dämonen und Milizen wirkt erst einmal wie ein erfrischender Schauplatz. Doch schnell rücken die schönen Gebiete in den Hintergrund und die Armeen in den Vordergrund. Die Geschichte wird zu einer nebensächlichen Beschallung. Auch die Charaktere bleiben flach und obwohl – oder weil – ich mich absolut nicht in der chinesischen Geschichte der drei Reiche auskenne, habe ich weder das Gefühl, dass ich nach dem Spiel eine neue Perspektive auf diese Überlieferung habe, noch, dass ich jetzt besser verstehe, worum es da wirklich ging.

Hong Jing als eine der wenigen - wenn nicht die einzige - Figuren aus Wo Long, die etwas mehr Tiefe haben und nicht morgen wieder vergessen sind.

Aber gut, dass Wo Long jetzt in der Handlung neben einem Elden Ring untergeht, ist per se nichts Schlimmes, denn die spannenden Gegner-Designs und atemberaubenden Schauplätze dienen als starke Motivation, um nach jeder Niederlage wieder aufzustehen. Und natürlich der Antrieb, sich selbst zu beweisen, dass man es schaffen kann. Welche Umgebung erwartet mich im nächsten Level? Wie verrückt ist das Boss-Design oder welche neuen Monster erwarten mich im nächsten Teil der Karte? Das waren Fragen, die mich bis zum Schluss motiviert haben. Rückblickend hätte ich mir zwar mehr hellere Level gewünscht, weil mich diese Bereiche des Spiels vollkommen in ihren Bann gezogen haben und ich finde, dass man diese helle, wunderschöne Kulisse, bei dieser Art von Spielen kaum zu Gesicht bekommt. Mehr zur audiovisuellen Untermalung seht ihr im obigen Video. Dort gehe ich zusätzlich näher auf die Musik und Synchronisation ein.

Leider machte sich in der Mitte des Spiels eine Eintönigkeit breit, wenn der Fokus von großen, tierischen Dämonen oder verrückten Anführern auf menschliche Soldaten umschwenkt. Konnten mich eine kleine emotionale Wendung wieder wachrütteln, entpuppen sich viele folgende Bereiche enttäuschenderweise als düstere Aneinanderreihungen von Schlachtfeldern, die nur selten neue Gegner oder spannende Gebiete hervorbringen. Am Ende warten ein, zwei Überraschungen, die nicht mehr ganz so wichtig wirken, wie noch in der anfänglichen Euphorie des Spiels. Das liegt wohl daran, dass Wo Long: Fallen Dynasty am Ende auf Emotionen und Menschlichkeit setzt, diese Qualitäten aber am Anfang nicht richtig verankert.

Die Aussicht im geheimen Dorf ist faszinierend. Leider bleiben gerade diesen hellen, schönen Aussichten in den Level von Wo Long: Fallen Dynasty eine Seltenheit. | Image credit: Wo Long: Fallen Dynasty

Kommen wir doch lieber zu etwas Positivem: Was Wo Long für mich zum perfekten Einstiegsspiel macht, ist die Struktur, welche die Moralpunkte und Level mit sich bringen. An den kleinen Zahlen über dem eigenen Kopf und denen der Gegner, erkennt man, ob man einen Kampf einleiten sollte. Manche Gebiete halten euch überwältigende Zwischenbosse vor die Nase, während eine andere Route den angenehmeren Zugang zum Level bereithält. Nicht nur Truhen, sondern auch Fahnen oder viele kleine Plätze mit besonderen Kreaturen sind an leicht zu übersehbaren Orten versteckt. Es macht Spaß, diese besonderen Orte zu finden. Außerdem gehen gelegentlich zwei Gebiete ineinander über und bieten so eine wunderschöne Symbiose aus Farben, Natur und Gegnern.

Zusätzlich bietet die Ausdauerleiste eine Sicherheit beim Angreifen. Die Mechanik dazu erkläre ich im Video, aber die Balance zwischen Angriff und Verteidigung zu halten, bildet für mich wichtige Ankerpunkte, um zu verstehen, wie ich die Gegner am effektivsten ausschalte. Kombiniert man diese Ausdauerleiste mit der flotten Beweglichkeit der Hauptfigur und einem Level-Design, dass euch einen klaren Pfad zum Stufenaufstieg auslegt, ergibt das eine zügige Dynamik. Weder bei Nioh noch bei Demon's Souls (die ich zugegebenermaßen nicht durchgespielt habe), kann ich mich an so eine schnelle Fortbewegung erinnern.

Fordernd und actionreich, aber nie unübersichtlich. Die Bosskämpfe bei Wo Long fühlen sich abwechslungsreich und fair an. | Image credit: Wo Long: Fallen Dynasty

Durch das Ausdauersystem rücken Zauber und die Fähigkeit im richtigen Moment zu parieren (und damit sofort zu kontern) in den Vordergrund. Blocken braucht ihr mal, um Zeit zu schinden, wenn ihr euch die Muster der gegnerischen Angriffe anschauen wollt, könnt aber theoretisch komplett darauf verzichten. Wegen der verschiedenen Zauber rückt allerdings auch die Ausrüstung in den Hintergrund. Das richtige Build wird euren Kampfstil nicht massiv beeinflussen, wobei Lanzen und Streitäxte aber klassischerweise mehr Wucht und längere Angriffszeiten haben, während zwei Schwerter oder Säbel deutlich schneller, dafür mit weniger Schaden anschlagen. Ich war ehrlich gesagt froh, dass ich mich als Anfängerin nicht lange mit der passenden Ausrüstung rumschlagen musste. Stattdessen waren Elemente und Zauber viel ausschlaggebender.

Ihr sammelt im Laufe der Geschichte verschiedene göttliche Bestien, die euer Zauberset ergänzen, weshalb sich einige Elemente besser zum Einstieg eignen als andere. Holz und Erde erhaltet ihr relativ zügig. Feuer, Wasser oder Metall lassen auf sich warten. Die zugehörigen Zauber müssen aber nicht auf die Bestie abgestimmt sein, sie dient eher als Verlängerung dieser Fähigkeiten. Holz verleiht euch etwa Heilzauber und Blitzschaden und die zugehörige Bestie wirkt einen Bereich zum Heilen oder teilt ordentlich Blitzschaden aus. Der Spielstil ändert sich entsprechend. Habt ihr mit Holz noch die Fähigkeit zu heilen, könnt ihr mit Metall Giftschaden verursachen, mit Feuer euren Angriff und durch Wasser die Verteidigung stärken. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie unterschiedlich sich dabei die Kämpfe anfühlen.

Das Gegnerdesign und die zahlreichen Schauplätze bergen anfangs eine starke Motivation am Ball zu bleiben. | Image credit: Wo Long: Fallen Dynasty

Wo Long: Fallen Dynasty – Fazit

Meine hauptsächliche Euphorie gegenüber Wo Long: Fallen Dynasty besteht darin, dass mich dieses Action-Adventure dank klarer Struktur und dynamischer Kämpfe endlich dazu gebracht hat, ordentlich ins Souls-Genre einzutauchen. Auch die Darstellung trifft meinen Geschmack, gerade in Bezug auf das Design der Bosse und die Schauplätze, bei denen ich mir allerdings mehr helle Welten gewünscht hätte. Gerade an diesen seltenen Gebieten konnte ich mich nämlich nicht sattsehen. Beschäftigt man dich länger mit der eher nebensächlichen Geschichte, so entpuppt sie sich zum Ende als zäher, als der eine oder andere Boss. Auch die technischen Probleme auf anderen Plattformen und einige Charakterdarstellungen hinterlassen einen faden Beigeschmack. Gleichwohl hatte ich aber eine Menge Spaß mit Wo Long, was nicht zuletzt am guten Level-Design und der schnellen Dynamik beim Kämpfen und Erkunden liegt.

Wo Long: Fallen Dynasty im Test – Wertung: 8/10

Pro und Contra

Pros:

  • Wohlstrukturierter Levelaufbau
  • Guter Einstieg ins Genre
  • Abwechslungsreiche Schauplätze und Bosse
  • Schwere, aber faire Herausforderungen
  • Wunderschöne Level und Gegnerdesigns
  • Flottes und dynamisches Spielgefühl, trotz schweren Gegnern

Contras:

  • Charaktere wirken zu flach und uninspiriert
  • Soundtrack und englische Synchro bieten keine emotionale Tiefe
  • Kräuselnde Ränder und nachladende Texturen
  • PC-Version und Xbox Game Pass weist vermehrt technische Probleme auf, die Wo Long unspielbar machen

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

In diesem artikel

Wo Long: Fallen Dynasty

Xbox Series X/S

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Ana Kudinov Avatar

Ana Kudinov

Video Editor

Ana macht bei Eurogamer.de seit 2020 die Video-Redaktion. Sie streamt in ihrer Freizeit und spielt viel Strategie- und Indiespiele am PC - kann aber grundsätzlich mit jedem Genre und jeder Konsole etwas anfangen. Ana liebt es sich über Japan und Anime zu unterhalten und verbringt dementsprechend auch viel Zeit mit JRPGs und anderen Besonderheiten aus dem asiatischen Raum.

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