Battlefield 2042 Hazard Zone und Ghost Recon Frontline sind beinahe das gleiche Spiel

Die Parallelen zum viel gescholtenen Ghost Recon Frontline sind frappierend. Ihr glaubt uns nicht? Dann passt mal auf!

Wie schnell das gehen kann. Noch letzte Woche kündigte Ubisoft einen Free-to-play-Ableger von Ghost Recon an, heute wurde dessen Beta nach überwiegend negativem Feedback auf unbestimmte Zeit verschoben. Ob es nun stimmt oder nicht, der Move sieht schon ein wenig nach "Zurück ans Reißbrett!" aus. Und jetzt stellt DICE seine dritte Säule von Battlefield 2042 an, den Hazard Zone Modus - und der klingt tatsächlich sehr nach dem, was sich Ubisoft als Zukunft für den Clancy-Shooter vorgestellt hatte.

Ich bin sehr auf die Reaktion der Battlefield-Community gespannt und frage mich, ob man bei Ubisoft vielleicht auch ein wenig Wind von der Struktur und dem Ablauf in DICE' Hazard Zone bekommen hatte, bevor man mit Frontline erstmal einen Rückzug machte? Dass die Community des EA-Shooters diesen Modus jedenfalls genauso hart ablehnen wird wie die von Ghost Recon, ist allerdings unwahrscheinlich: Battlefield war seit jeher ein kompetitiver Titel, während sich Ghost-Recon-Fans nach einem Solo- und vielleicht noch Koop-Taktik-Shooter sehnen.

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Trotzdem hier vielleicht einmal die frappierenden Ähnlichkeiten, denn das ist schon allerhand (und hier noch einmal in unserer Ghost Recon Frontline Vorschau zum Nachlesen): Kleine Spieler-Squads aus unterschiedlichen Spezialisten (Ding!) - Doppelbesetzungen verboten - müssen eine Reihe von Datenträgern in einem frei begehbaren Einsatzgebiet lokalisieren und sichern, die teilweise dynamisch auf die Karte runterkommen (Ding, ding! ). Man sammelt so viele "Data Drives" ein, wie man will, und muss selbst entscheiden, wann man extrahiert, wozu es zwei Gelegenheiten gibt. Und wer danach auf der Karte zurückbleibt, verliert (Ding, ding, ding!).

Gut, es gibt auch ein paar Unterschiede: Hier spielen acht (Next-Gen) beziehungsweise sechs (Last-Gen) Vierer-Squads auf den normalen All-out-Warfare-Karten gegeneinander und gegen eine Reihe von der KI gesteuerter Besatzungstruppen, die die Daten bewachen und euch auch ansonsten Sperrfeuer geben. Die Daten stammen aus abgestürzten Satelliten und nicht aus Drohnen einer Mega Corporation und natürlich gibt es in Battlefield Stürme und Zerstörung, die das Prozedere dynamisch halten sollen. Aber ansonsten ist das der gleiche Modus wie der, den Ubisoft für seine Ghosts für eine gute Idee hielt und der schon mit dem Reveal-Trailer auf zugehaltene Ohren und eisern vorgeschobene Unterlippen stieß.

Für mich klang das schon bei Ubisoft prinzipiell nach Spaß, wenngleich es schwierig war, über die Art der Präsentation und das allgemein eher fade Aussehen allzu sehr in Wallung zu geraten. Aber hey, Geschmäcker und so. Im Vergleich zu den anderen All-out-Warfare-Modi wird Hazard Zone jedenfalls durch ein Meta-Game zusammengehalten, das extrahierte Datenlaufwerke in Spielwährung ("Dark Market Credits") ummünzt. Die wiederum tauscht man im nächsten Einsatz gegen Waffen, Gadgets und taktische Upgrades ein.

Überhaupt wirkt das alles, als wäre mehr Koordination, mehr Absprache vonnöten als es in der Beta des Conquest-Modus den Anschein hatte, vor allem, weil nicht jeder einfach als Greifhakenangeber durch die Gegend Spider-Mannen darf. Die Suche nach und der Kampf um ein Ziel, das nur wenige einstreichen können, finde ich nicht erst seit Hunt Showdown einen spannenden Aufhänger für taktisches Zusammenspiel. Dass man seinen Startpunkt von vorneherein sieht - zusammen mit einer Einschätzung über die Verteilung der KI - ermöglicht ein frühes Zurechtlegen einer Strategie und legt größeren Fokus auf im Kleinen wie im Großen getätigte Entscheidungen, was den Missionsverlauf angeht.

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Und nicht zuletzt wirkt das auch ein wenig dem Chaos entgegen, das zuletzt in der Beta von Battlefield 2042 nicht gerade wenige Fans auf die ungute Art etwas überwältigte. Hier kommt das alles etwas zielgerichteter - zumindest in der Theorie, denn viel mehr als ein Video und eine ausladende Erklärung durch Senior Design Director Daniel Berlin kennen auch wir nicht. Fragt euch sehr genau, welche Spezialisten euch weiterbringen beziehungsweise eurer Taktik und eurem Spawn entgegenkommen - und macht dann euer Ding.

Das Lokalisieren der Datenlaufwerke geschieht in erster Linie mithilfe eines Intel Scanners, den mindestens einer eurer Mitspieler auch ausrüsten sollte. In der Präsentation klang es beinahe, als wäre es möglich, dieses wichtige Gadget, das groben Aufschluss über den Standort (oder Eigentümer, falls schon geborgen) der Daten bringt, auch zu Hause zu lassen. Clever.

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Eine weitere Änderung im Vergleich zu All-out-Warfare ist die Art, wie Down-but-not-out geregelt wird. In Hazard Zone könnt ihr, einmal niedergeschossen, noch in Sicherheit kriechen, um euch wiederbeleben zu lassen. Sterbt ihr, können eure Squad-Mitglieder euch als an einem Uplink-Terminal als Verstärkung ins Spiel zurückholen. Der Modus scheint also diverse nette Risiko-Nutzen-Abwägungen mitzubringen, die mir zuletzt in der Beta nicht durch den Kopf gingen - aber da funktionierte ja nicht mal die Karte...

Aber ja, ich freue mich darauf, in der Hitze des Gefechts meine Taktik ändern zu müssen, mich auf einer atemlosen Flucht zu einem zufällig ausgewürfelten Extraktionspunkt auf der Karte unter einem wahren Hagel an Blei durch zu ducken und dabei in letzter Sekunde einem Tornado zu entwischen, der stattdessen Erdbeer-Camo-Smoothie aus meinen Verfolgern macht. Coole "Geht ohne mich, ich halte sie auf!"-Momente inklusive - denn damit die Extraktion als Erfolg zählt, reicht es, dass ein Spieler den rettenden Condor erreicht.

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Ein interessanter Modus - in einem Spiel, zu dem er passt. Warten wir ab, ob und in welcher Form Ghost Recon nach dieser Ankündigung an seine "Frontlinie" zurückkehrt.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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