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Hurra, Star Citizen ist fertig! Oder wie soll ich das sonst verstehen?

Nächstes Mal besser die sauber verformte Decke des Schweigens drüber.

Hoch die Tassen, Leute! Zehn Jahre nach Start des Kickstarter haben Chris Roberts und Team Star Citizen offensichtlich mehr oder weniger fertiggestellt. Der Release kann also nur noch eine Frage von Wochen oder wenigen Monaten sein. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass sich die Entwickler des AI Content Teams jetzt an Feinarbeit wie eine realistische Bettlaken-Verformungstechnologie machen.

Was? Die sind noch gar nicht fertig und die seltsam überambitionierte Beschreibung einer absoluten Randfunktion ist nur der nächste Fall von Feature-Creep in der langen Geschichte ganz netter, aber sicher nicht essenzieller Ergänzungen zu einem Spiel, das scheinbar nicht vorhat, jemals fertigzuwerden?!

Alles nichts wert, wenn das Laken keine Falten wirft.

Ihr lest am besten selbst:

"Wir wussten schon früh: Um die Detailtreue zu erreichen, die wir von Squadron 42 erwarten, würde einige R&D ["Forschungs- und Entwicklungsarbeit", Anm. Alex] in Bezug auf Bettlaken-Deformation nötig werden", so das Entwicklungs-Update im Blog der Einzelspielerseite von Star Citizen. "Daran arbeiten wir gerade und, wenn wir erfolgreich sind, kann die KI ihre Bettlaken beim Hinlegen, Aufstehen und Schlafen verformen. Das ist eine herausfordernde Aufgabe und erweitert die Komplexität dieses Features. Was passiert zum Beispiel, wenn die KI im Falle eines Notfalls schnell aufstehen muss?"

Weitere Meldungen zu Star Citizen:

Wer kennt das nicht: Die Schiffs-KI meldet Druckabfall, weil drei Meter hohe Löwenaliens in einem Überraschungsangriff die Luftschleusensteuerung schwer getroffen haben. Man stürzt aus den Federn, um zum Flugdeck zu gelangen und kann auf nichts anderes starren, als die Laken, die unter den festen Hintern der Pilotenkollegen nicht komplett realistisch eingedellt sind. Was für ein Immersionskiller! Nimm mich, oh süßer Dekompressionstod, du bist meine einzige Erlösung.

So verlockend, einfach auszusteigen...

Mal im Ernst: Auch ich muss gestehen, es gibt kaum ein Spiel, das mich die letzten Jahre mehr beeindruckt hat, als die Fitzelchen, die ich von Star Citizen selbst spielen durfte. Die Ambition ist klar erkennbar, es wurde schon Enormes geleistet, und sicher ist vieles davon auch der Detailversessenheit dieser Entwickler geschuldet. Ich habe mich noch nie so komplett in den Weltraum versetzt gefühlt wie schon in der an Content nicht gerade üppigen Alpha dieses endlosen Projektes. Deshalb macht es mir keine Freude, das zu sagen, aber was um Himmels Willen reitet euch da eigentlich, Cloud Imperium?

Jedem anderen Studio hätte man solche Äußerungen um die Ohren gehauen. Wenn selbst die angeblich weniger ambitionierte Story-Komponente zuerst auf mehrere Episoden gesplittet und zuletzt für den ersten Teil effektiv und maximal lose auf 2023/2024 terminiert, ohne diese Zahlen konkret zu nennen, kann man nicht mehr anders, als zynisch zu werden.

Als ich in Babbage auf einem beliebigen Wolkenkratzer gelandet war, zerrte der Quecksilber-Schneesturm mit seinen minus 39 Grad noch durch meinen Bergbau-Pilotenanzug an mir, mit einer Gefräßigkeit, die mir einen Schauer über den Rücken trieb. Da stand ich nun, 20, 30 Minuten. Mein Anzug warnte bereits: O2 für 10, Energie für 6. Überflüssig. Die Kondensation an meinem Visor unten rechts hatte es mich bereits wissen lassen. Genug Zeit. Gleich müsste es soweit sein und die dritte Sonne dieses Systems würde das erste Mal seit 178 Jahren über den Kamm dieser Berge kriechen. Mich überkam ein überwältigendes Gefühl: Warum hatte sich am Morgen mein Bettlaken nicht verformt?

Fairerweise muss man sagen, dass die Bettlaken-Deformation nicht das einzige ist, was in dem Blogpost gemeldet wird. Und natürlich gibt es immer Entwicklungsteams, die gerade Downtime haben, während andere Pipelines gerade zu sind, und sich dann etwas suchen,. an dem sie arbeiten können. Zudem bin ich eigentlich sehr für diese Art von Transparenz. Aber der Raum, den diese Nichtigkeit einnimmt – und der eigentlich schon von einem gigantischen Elefanten belegt ist, über den niemand mehr spricht – lässt das Ganze wie einen grausamen Scherz erscheinen. Als wollte man sehen, wie sehr man diese selbst auferlegte Entwicklungshölle noch in die Länge ziehen kann.

Ich habe Chris Roberts Traum mitgeträumt, so sehr, dass ich den Preis von gleich zwei Spielen darin investiert habe – und das mache ich sonst nie. Aber mittlerweile frage ich mich so langsam nicht mehr, wann Star Citizen langsam mal fertig wird. Ich frage mich, ob es nicht längst am Ende ist.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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