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Jetlag auf E-Sports-Turnieren? So geht dieser Apex-Legends-Pro damit um

Alliance 'unlucky' im Interview.

Frisch aus dem Meet-and-Greet kommt Andre 'unlucky' Türk in den gemütlichen und stillen Interview-Raum. Der österreichische Apex-Legends-Profi ist 19 Jahre alt und spielt seit 2024 beim schwedischen Team Alliance. So hatte er die Möglichkeit, zusammen mit John 'Hakis' Håkansson und Miron 'Effect' Novikov, auf den Split-1-Playoffs in Los Angeles gegen 39 andere Teams anzutreten. Aktiv spielt er als Apex-Profi bereits seit er 16 ist.

So vermeiden E-Sport-Profis einen Jetlag

Das Interview mit unlucky fand am zweiten von vier Spieltagen statt. Das Ergebnis des Turniers stand zu diesem Zeitpunkt also noch nicht fest. Dennoch brannten mir einige Fragen geradezu auf der Zunge. Da ich selbst an den ersten Tagen mit frühzeitiger Müdigkeit und nachlassender Konzentration durch Jetlag zu kämpfen hatte, interessierte es mich besonders, wie Profi-Spieler mit diesem Phänomen umgehen.

Angereist ist unlucky genau wie ich, am 30. April 2024. Und doch spielt er abends bis 22:00 Uhr in Los Angeles unter den besten Teams der Welt, während ich am liebsten um 20:00 Uhr schon ins Bett wollte - am besten sogar früher.

Apex Legends ist ein besonders schnelles Battle-Royale

Eurogamer.de: Jetlag wäre sicher ein unfairer Nachteil für alle Spieler, die eine weite Anreise haben. Was machst du, um abends noch wach und voller Konzentration zu sein?

unlucky: "Wir haben ja Bootcamp gehabt für acht Tage oder so, da haben wir unseren Schlafrhythmus an Los Angeles angepasst und sind dann auch immer um 7:00 Uhr in der Früh schlafen gegangen. Nach dem Bootcamp sind wir nach Kopenhagen und von dort nach Los Angeles geflogen - zwölf Stunden oder so. Das war bisher mein längster Flug überhaupt, aber das war okay, weil ich die meiste Zeit geschlafen habe, weil wir ja unseren Schlafrhythmus vorher angepasst haben. Ich war die ganze Nacht wach bis um 10:00 Uhr und dann konnte ich auch im Flugzeug schlafen. Meistens kann ich nicht gut auf Reisen schlafen, aber ich habe von meinem Manager Schlaftabletten bekommen - also eine, ich will ja nicht für immer schlafen - und dann gings eigentlich, auch wenn es im Flugzeug trotzdem etwas unangenehm ist."

Eurogamer.de: Wie bist du zu Alliance gekommen?

unlucky: "Es kam ziemlich unerwartet, weil wir halt mitten in der Pro League waren. Dazu ist es gekommen, weil wir von unserer Organisation gedroppt wurden, also von Vexed, und so war mein Buyout quasi gratis, weil wir halt keine Organisation hatten. Alliance hat einen dritten Spieler gebraucht und meinten, ich würde perfekt reinpassen. Der Hauptgrund, warum ich ausgesucht wurde, ist, weil meine Kommunikation im Spiel mit meinen Teamkameraden sehr gut ist und ich ihnen auch sehr gut folgen kann, egal, was sie machen. Alliance wusste, wie ich bin und in der EU gibt es auch nicht so viele Control-Spieler die gut sind und gleichzeitig moralisch ins Team passen. Genau das hat Alliance gesucht. Sicher gibt es auch Sachen, die ich schlechter mache, als Yuki sie davor gemacht hat, aber die Dinge muss ich jetzt eben lernen."

Eurogamer.de: Wie habt ihr als Team euch auf das ALGS Finale vorbereitet?

unlucky: "Ziemlich viel. Man bereitet sich in den Scrims ja schon 1,5 Monate davor vor und das sind dann etwa acht bis zehn Stunden am Tag und das ist nur das Spielen. Danach reden wir auch noch über das Spiel und so weiter. Deshalb ist es auch wichtig, dass man mal einen Tag frei hat, also einen Tag mal nichts mit Apex zu tun hat, weil man sonst ein Burnout bekommt. Das habe ich auch schön öfter gehabt, dass es mir zu viel war, weil ich jeden Tag gestreamt habe. Das sollte man besser nicht machen. Im Bootcamp gibt man dann aber richtig Gas, davor macht man aber nochmal zwei oder drei Tage Pause."

Eurogamer.de: Gibt es dann auch Momente, in denen das Spiel keinen Spaß mehr macht?

unlucky: "Ja, jeden Tag. Es wird halt irgendwann anstrengend. Apex ist schon ein gutes Spiel, was es einfacher macht, es jeden Tag zu spielen. Ich sag mal so, wenn du nicht jeden Tag neun Stunden Ranked spielst, ist es eigentlich in Ordnung. Kompetitiv spielen macht mir Spaß. Abseits vom Competitive fühlt sich Apex sich etwas träge an, da sich das grundlegende Spiel ja nicht mehr wirklich verändert."

Eurogamer.de: "Siehst du deine Zukunft im E-Sport?

unlucky: "Ich muss nicht unbedingt bei Apex bleiben, ich war halt auch in anderen Spielen immer sehr gut. Zum Beispiel Call of Duty oder Overwatch - eigentlich in jedem Shooter. Apex hat mir aber am meisten gefallen, deshalb wollte ich da kompetitiv einsteigen. Aber ich würde Apex auch länger, also noch 6 Jahre oder so, spielen. Im Endeffekt wird alles, was man im Leben macht, irgendwann langweilig. Man macht es halt, weil es Arbeit ist und das ist überall das Gleiche. Man muss halt manchmal und einfach dankbar sein für das, was man hat. Es ist im Grunde ja eine Arbeit, man macht es auch acht bis zehn Stunden am Tag. Es ist halt Menschsein, denke ich mal, alles wird irgendwann Alltag."

Eurogamer.de: Wie war es eigentlich im Meet and Greet?

unlucky: "Sehr anstrengend", sagt er lachend. "Also, weil es halt direkt nach den Spielen ist. Ich war heute generell schon ein bisschen müde. Es war wirklich direkt nach dem Spiel, ich habe gerade erst gegessen und das nicht mal fertig. Dann musste ich bereits dorthin."

Eurogamer.de: Macht es sich bei den Fans bemerkbar, dass du der Neuzugang bist?

unlucky: "Klar, es ist anders. Vor allem, weil Yuki ja sehr viele Fans aus Japan hatte, da merkt man schon, dass sie ihn vermissen. In die Rolle reinzuschlüpfen ist dann schon ein bisschen schwierig, denke ich. Man kann es schon fühlen und merken, besonders weil Hakis und Yuki ja sehr lange ein Duo waren."

Eurogamer.de: Was machst du nach dem Finale?

unlucky: "Ich will wieder streamen. Ich habe im Bootcamp nur ein bisschen gestreamt. Das Ding ist, ich liebe es, kompetitiv zu spielen, aber ich liebe es auch zu streamen. Ich streame jeden Tag und deshalb würde ich gerne zurückgehen und das wieder täglich machen. Also, selbst wenn wir gewinnen, würde ich jetzt nicht länger bleiben oder so, ich würde direkt einfach nach Hause fahren und wieder streamen."

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