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GTR 2 - FIA GT Racing Game

Realismus pur!

Alle starren gebannt auf die Startampel. Das Licht erlischt und die Motoren röhren auf. Reifen qualmen und zwei Dutzend hochgezüchteter Boliden rasen auf die erste Kurve zu. "Ob das mal gut geht", denke ich und trete das virtuelle Gaspedal bis zum Anschlag durch. Links öffnet sich eine kleine Lücke und ich nutze den Moment der gegnerischen Unachtsamkeit. Immerhin, das gewagte Manöver hat mich von Platz acht auf fünf gebracht, nicht schlecht für den Anfang.

Doch damit beginnt der hochgetunte Spaß bei GTR 2 - FIA GT Racing Game (GTR2) gerade erst. Schon Teil eins des schwedischen Entwicklerteams Simbin sorgte vor zwei Jahren bei Fans und Presse für Jubel und Auszeichnungen en masse. Ein Spiel für Massen wurde es aber trotzdem nicht. Einer der Hauptgründe: Die Hardcore-Simulation war einfach nichts für Anfänger oder durchschnittliche Fahrer. Trotz einer "noch realistischeren Darstellung und einem besseren Gefühl für Geschwindigkeit" sollen auch Fahranfänger diesmal zu ihrem Recht kommen.

Aus dem Weg: Die Cockpitperspektive vermittelt Rennfeeling pur.

Also gehts erstmal ab in die Fahrschule, wo wir in 142 Lektionen alles lernen können: Anfahren, bremsen, Kurventechnik, überholen. Dazu werden uns die Feinheiten aller 19 Strecken eingetrichtert. Wie im richtigen Leben gibt es Theorie- und Praxiskurse, die mich auf das bevorstehende Rennerlebnis vorbereiten, so gut es geht. Doch nicht nur Anfänger, auch Profis werden diesen Modus zu schätzen wissen. Der Grund: Wer die Übungen erfolgreich abschließt, schaltet bis zu 46 zusätzliche Rennserien frei.

Mithilfe einer Vielzahl an Optionen passen wir das Gameplay zusätzlich an unser Können an. Wie nah an der Realität soll es sein, der Herr? Anfänger-Modus mit vielen Fahrhilfen und "sanft" agierenden Konkurrenten? Oder doch lieber eine vollwertige Abbildung realer Rennen? Manuelles Schalten und Konkurrenten, die nichts lieber tun, als Euch am Auspuff schnüffeln zu lassen? Letzteres bietet einen Schwierigkeitsgrad, der an Realitätsnachbildung wohl alles bisher da Gewesene in den Schatten stellt. Der Frustfaktor bei Otto-Normal-Spieler dürfte hier sehr schnell die "Nase voll"-Schwelle erreichen. Nicht nur das äußerst realistische Fahrverhalten der PS-Monster lässt mich dann öfter ins Kiesbett schlingern, als mir lieb ist. Auch die KI-Fahrer kennen kein Pardon und deklassieren mich pro Runde um zehn Sekunden. Au Weia, schnell alles runterpegeln, ich bin wohl doch kein Profi ...

So sehr GTR2 den Spieler mit Einstellungsmöglichkeiten verwöhnt, so spartanisch gestalten sich die Standardansichten beim Fahren. Lediglich aus vier Perspektiven lässt sich das eigene Fahrzeug über die sehr detailliert gestalteten Strecken lenken. Mit keiner kann ich mich hundertprozentig anfreunden, ein bisschen mehr Auswahl hätte es dann schon sein können. Ein Augenschmaus ist es aber trotzdem, den eigenen Avatar beim Lenken der Karosse zu beobachten. Wie er sich in die Kurve legt, wie er die Gänge wechselt - das kommt schon sehr gut rüber! Einen hohen Grad an Detailverliebtheit erreicht auch der Innenraum, der zum Parken und Beobachten einlädt. Dumm nur, dass alle Konkurrenten nicht so sentimental veranlagt sind und grußlos an mir vorbei brausen. Wie gemein!

Die Wetterverhältnisse wechseln auch während des Rennens.

Gewöhnungsbedürftig ist die sehr sensitive Steuerung. Egal wie weit ich die Empfindlichkeit runterregle, schon die kleinste Bewegung wird in eine Richtungsänderung des Wagens umgesetzt. Zu Beginn schlingere ich daher meist eher um die Parcours, als das ich wirklich fahre. Selbst die zuschaltbaren Hilfen tun dem nicht wirklich einen Abbruch. Sie können mir schließlich nicht dabei helfen, ein Gefühl für das ultrarealistische Fahrverhalten zu bekommen. Das muss man sich erarbeiten. Spieler mit schwachen Nerven oder wenig Geduld werden vermutlich Schwierigkeiten haben, diese Lernphase zu überstehen.

Beispiele gefällig? Wer häufiger im Kiesbett landet als ich, wird sich wundern: Einfach weiterbrettern wie von anderen Rennspielen gewohnt? Vergesst es! Ihr seid langsamer als eine Oma, die ihren Einkauf im Bollerwagen hinter sich herzieht. Ausflüge dieser Art werden nicht verziehen. Ihr wollt die unliebsame Konkurrenz auf dem Rasenstreifen überholen? Hahaha! Gut gelacht, aber schlecht gefahren. Ich holpere mit dem 600-PS-Porsche wie ein Trecker auf der Kuhweide und verliere mächtig an Zeit. Ok, die alten Tricks bringens nicht.

Haben wir noch ein Ass im Ärmel: Wir rammen die anderen Wagen von der Strecke und rasen in aller Ruhe weiter. Möp! Schneller als ich gucken kann, löst sich mein Wagen in seine Einzelteile auf. Glas splittert, Karbonteile lösen sich, die Motorhaube springt weg, Reifen fliegen durch die Luft. Letztlich gehen die Boliden bei krassen Crashs sogar in Rauch auf und fangen Feuer. Wer sich auf diese Weise bei Nachtrennen die Scheinwerfer schrottet, sieht nicht nur scheiße aus. Viel schlimmer: Er sieht die Strecke nicht mehr richtig.

Doch es kommt noch ärger. Gerade als ich glaube, das Handling des Wagens einigermaßen zu beherrschen, werden die Reifen schlechter und ich fange wieder an zu schlingern. Oder bin ich wieder von der Ideallinie abgekommen und haben den ganzen Dreck am Reifen, der sich Dank Live Track-Technologie dort wie in der Realität angesammelt hat? Zudem verdunkelt sich gerade der höchst realistisch aussehende Himmel. Auf der Strecke wird es langsam finster und das dynamische Wettersystem beschert mir einen Klimaumschwung. Schließlich fallen die ersten Tropfen und der Regen setzt ein. Verdammt aber auch! Jetzt hab ich die falschen Reifen drauf und muss an die Box. Fahre ich trotzdem weiter, um wertvolle Sekunden zu sparen, bereue ich das schnell. Die Wagen werden fast unlenkbar und ich kann mich kaum noch auf der Strecke halten.

In Wiederholungen kann man Kopf-an-Kopf-Rennen noch mal in Ruhe ansehen.

Vorbei sind auch die Zeiten, in denen die KI-Gegner sich nach Unfällen hinter den Crash-Boliden stauten und uns so wertvolle Sekunden schenkten. Bei GTR 2 fahren sie sauber an den Wracks vorbei. Wenn ich bei solchen Rennspielen mal besonders gefrustet bin, werde ich gemein und unfair. Ich werden dann zum Geisterfahrer und gehe auf Konfrontationskurs zu den führenden Wagen. Doch GTR 2 meldet per Bordfunk Einspruch: "Ich sags nur ungern, aber du fährst in die falsche Richtung. Dreh sofort den Wagen um!" Die Schamesröte schießt mir ins Gesicht und ich drehe brav mein Vehikel, um es in der Garage abzustellen.

All diese Erlebnisse kann man nicht nur im freien Training haben. Ich kann mich in ein komplettes Rennwochenende stürzen und vom Training über Qualifying alle Aspekte erleben. Hartgesottene machen sich an 24-Stunden-Rennen, die sich auf Wunsch auf 24 Minuten eindampfen lassen. Darüber hinaus stehen noch GTR-Meisterschaften aus den Jahren 2003 und 2004 zum Austoben bereit. Die schon erwähnten Bonus-Meisterschaften und einige Online-Modi kommen noch on top. Schließlich sollen die besten Fahrer auch gegeneinander antreten können.

Was Gran Turismo für Konsoleros ist, stellt GTR 2 - FIA GT Racing Game für PC-Junkies dar: Das Non-Plus-Ultra der Rennspiel-Simulationen. Dieses Ziel wird auf beeindruckende Weise erreicht. Das Wort "realistisch" kann auf die meisten der Spielbestandteile in der einen oder anderen Form angewandt werden. Ob das nun Gameplay, Steuerung, Streckendesign, das Handling oder die Wagentexturen betrifft. Alles ist sehr nah an der Realität. Profis werden dieses Spiel lieben. Anfänger werden aber nach wie vor an der hohen Frustrationsschwelle scheitern. Da helfen auch die besten Fahrhilfen nichts.

Übrigens wird der erste Teil, GTR - FIA GT Racing Game, für die Xbox 360 erscheinen!

9 / 10

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

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