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Company of Heroes 3 im Test - Die Rückkehr des RTS-Königs

Eine Klasse für sich.

Eurogamer.de - Herausragend Badge
Company of Heroes 3 bietet erneut spannendes, intensives und strategisches Gameplay mit umfangreicher Kampagne und neuer taktischer Pause.

Kennt ihr dieses Gefühl der plötzlich aufkeimenden Panik? Wenn alles gut läuft, aber auf einmal droht alles den Bach runterzugehen. Zum Beispiel, wenn ein paar eurer Infanteristen gerade eine Stellung halten und plötzlich ein, zwei deutsche Panzer aus dem Nichts durch eine Hecke krachen und wild um sich feuern. Ein Anblick, bei dem man seine Leute in den meisten Fällen besser die Beine in die Hand nehmen lässt. Company of Heroes 3 steckt voller solch adrenalintreibender Momente, ganz wie in den besten Zeiten der Reihe.

Lange hat es gedauert, bis sich Relic an einen dritten Teil setzte. Jetzt ist er endlich da und war die Wartezeit allemal wert. Was noch wichtiger ist: Relic wagt keine großen, unvernünftigen Experimente. Company of Heroes 3 fühlt sich genau so an, wie ich es mir erhofft habe. Heißt: Wie früher, mit einigen gut durchdachten Neuerungen und einer Kampagne, die eine lange Spielzeit verspricht.

Traditionell oder doch mit Weltkarte?

Was die Kampagnen anbelangt, hat Company of Heroes 3 zwei Optionen für euch zu bieten: Einmal die klassische Erfahrung, hier in einer acht Missionen umfassenden Nordafrika-Kampagne. Ihr spielt auf der Seite des deutschen Afrikakorps und nehmt es in den Wüstenregionen mit britischen Truppen auf. Gleichzeitig wird eine Geschichte rund um die Bewohnerinnen und Bewohner der Region erzählt. Keine weltbewegende Geschichte, aber man versucht die Schrecken des Krieges ein wenig zu veranschaulichen. So weit, wie das in einem Spiel wie Company of Heroes 3 möglich ist. Seien wir ehrlich: Dafür gibt es vermutlich bessere Formate.

Die dynamische Karte der Italien-Kampagne in Company of Heroes 3.
Zwischen Missionen und Gefechten seid ihr in Italien auf der dynamischen Karte unterwegs.

Kampagnen-Option Nummer zwei besteht aus dem Italien-Feldzug, angefangen an der Südspitze des Landes. Hier geht es nicht einfach Mission um Mission weiter, zwischen einzelnen Aufträgen und Gefechten seid nun rundenbasiert auf einer dynamischen Übersichtskarte von Italien unterwegs. Ihr erobert dort Stadt um Stadt, kämpft euch Runde für Runde durch Italien. Ein bisschen Total-War-Lite-Feeling, allzu komplex geht es darauf nicht zu. Ihr könnt neue Truppen rekrutieren und diese in Richtung Feindgebiet schicken. Manche Gefechte lassen sich automatisch regeln, aber ihr könnt immer selbst Hand anlegen, wenn ihr möchtet. Bei vorgegebenen Missionen müsst ihr das wiederum tun.

Solch klassische Missionen sind in diese Kampagnenstruktur eingebettet und ihr seht zum Beispiel, wenn euch in einer Stadt ein Gefecht oder eine Mission erwartet. Letztere bieten eine mehr geskriptete Missionsführung, in den Gefechten geht es häufig darum, Territorien zu erobern und zu halten. Hier und da streut das Spiel zudem immer wieder optionale Nebenmissionen ein, die ihr erfüllen könnt, um Boni zu erhalten. Und natürlich kann auch der Feind zurückschlagen, Städte zurückerobern und die Frontlinie erneut verlagern. Wenngleich ich auf dem normalen Schwierigkeitsgrad nicht das Gefühl hatte, dass die Achsenmächte auf der Übersichtskarte eine große Gefahr darstellen.

Überhaupt war es erst einmal ungewohnt, eine solche Karte vor der Nase zu haben. Ich habe mich aber schnell daran gewöhnt, meine Truppen über die Karte zu schicken, neues Gebiet zu erobern und Schlachten zu bestreiten. Wenn die Tendenz nicht zu meinen Gunsten ausfällt, übernehme ich in einzelnen Gefechten lieber selbst das Kommando. Mit einer guten Taktik und Strategie lässt sich so durchaus mehr herausholen als beim Auto-Kampf.

In der Nordafrika-Kampagne von Company of Heroes 3 spielt ihr das Afrikakorps.
In der überschaubaren Nordafrika-Kampagne spielt ihr das Afrikakorps.

Ansonsten sind die Möglichkeiten begrenzt. Ihr könnt eigene Verteidigungsstellungen errichten, Nachschub kaufen und euer Einheiten reparieren. Ebenso steigt oder sinkt ihr durch Entscheidungen und Handlungen in der Gunst eurer Verbündeten und Vorgesetzten und schaltet so weitere Extras frei, wenn sie euch wohlgesonnen sind. Insgesamt ist es eine nette und zusätzliche strategische Ebene. Nicht essentiell, aber sie verbindet alles ganz gut miteinander und gibt euch das Gefühl, auch im großen Ganzen einen Feldzug zu führen, der sich über ein komplettes Land erstreckt. Einer, der euch viele Stunden beschäftigen wird.

Das Kerngeschäft von Company of Heroes 3

Für mich war Company of Heroes immer schon ein exzellenter Vertreter seines Genres. Ganz einfach aus dem Grund, weil es im Vergleich zu anderen Spielen etwas intimer und somit intensiver ist. Ihr baut euch hier keine riesigen Armeen zusammen, mit denen ihr anschließend den Gegner zu überrollen versucht. Was mir ebenso Spaß macht, aber in Company of Heroes 3 müsst ihr erneut mit begrenzten Ressourcen und einem begrenzten Einheitenlimit zurechtkommen. Und gerade das ist es, was es in jedem Gefecht so ungemein spannend macht. Hier zählt jeder einzelne Soldat, jedes einzelne Fahrzeug. Und jeder Verlust schmerzt.

Beschuss durch Artillerie in Company of Heroes 3.
Vor dem Angriff erst einmal mit der Artillerie aufräumen.

Umso mehr ist eine ausgeklügelte Zusammenstellung wichtig, um auf verschiedene Situationen reagieren zu können. Das Stein-Schere-Papier-Konzept haut hier voll rein. Eure Panzer können noch so übermächtig gegen ganz gewöhnliche Soldaten sein, wenn sie es mit einem konzentrierten Gegenschlag aus Panzerfäusten, Sprengladungen und Panzerabwehrkanonen zu tun bekommen, sind auch sie schnell Schrott. Das Blatt kann sich in Company of Heroes 3 sehr schnell wenden, wenn ihr nicht aufpasst. Wer unbedacht vorgeht, schickt seine Soldaten ins Verderben. Und wer nicht angemessen auf den Gegner reagiert, zieht den Kürzeren.

Womit wir wieder beim Zusammenspiel wären. Stellung für Stellung lasst ihr eure Mannen vorrücken, wobei auch die Sichtlinien eine zentrale Rolle spielen. Einmal unbedacht einen Trupp Soldaten vorausgeschickt, schon könnten sie ins Visier eines stationären MGs geraten, das sie festpinnt und bewegungsunfähig macht, weil sie am Boden kauern. Aufklärung ist wichtig und dann gilt es, gleichermaßen die richtigen Mittel und die richtigen Wege zu finden. Versucht gegnerische Stellungen zu umgehen oder zu flankieren, um nicht ins offene Messer zu laufen.

Ein Flammenwerfer in Company of Heroes 3 im Einsatz.
Der Flammenwerfer erweist sich besonders gegen Soldaten als äußerst effektiv und macht auch Pioniere gefährlich.

Deckung ist dabei ebenso von entscheidender Bedeutung und im dritten Teil spielt auch die Höhe beziehungsweise das vertikale Gameplay eine noch wichtigere Rolle. Ein Scharfschütze in einem Kirchturm hat eine enorme Reich- und Sichtweite. Die Höhe bringt euch Vorteile, nicht nur bei der Sicht, sondern auch bei der Genauigkeit, ganz egal, ob das nun ein höheres Haus oder eine Düne ist.

Wenn sich euch kein geeigneter Weg bietet, könnt ihr unter Umständen selbst einen schaffen. Eure Panzer durchbrechen Wände und andere Gebäude, starker Beschuss lässt Häuser in sich zusammenstürzen. Anders gesagt: Company of Heroes 3 lässt keinen Zweifel daran, dass im Krieg so ziemlich alles kaputt geht und die Schlachtfelder sind nach intensiven Scharmützeln deutlich vom Kampf gezeichnet.

Zu hektisch? Einfach mal Pause machen

Wer die Vorgänger gespielt hat, weiß, dass es in manchen Situationen mitunder etwas hektisch werden kann. Das trifft gleichermaßen auf Teil drei zu, aber die neue taktische Pause macht es euch einfacher, auf die sich verändernde Dynamik zu reagieren. Ein Druck auf die Leertaste hält das Spiel komplett an. Hier könnt ihr nun jede einzelne eure Einheiten auswählen und mehrere Befehle aneinanderreihen. Wenn ihr das Spiel per Leertaste weiterlaufen lasst, wird das alles automatisch ausgeführet.

Die neue taktische Pause in Company of Heroes 3.
Mit der taktischen Paue reiht ihr Befehle aneinander.

Wie gesagt, das ist sehr praktisch, um auf neue Gegebenheiten oder plötzliche Angriffe zu reagieren, ohne dass euch dabei wertvolle Zeit verloren geht. Gleichermaßen könnt ihr so etwa eine Baureihenfolge für Pioniere in Ruhe planen und so weiter. Es ist wunderbares zusätzliches Werkzeug, mit dem ihr in aller Ruhe die jeweilige Situation analysieren und eure weiteren Handlungen darauf abstimmen könnt. Macht es das nicht zu einfach? Nein, denn die Pause ändert nichts daran, dass ihr weiterhin sehr taktisch und überlegt vorgehen müsst. Sie greift euch eher unterstützend unter die Arme, denn wenn ihr keinen Plan von kluger Kriegsführung habt, bringt auch die Pause nicht viel.

Spezialisierungen und Online-Kriegsspiele

Company of Heroes 3 geht mit insgesamt vier verschiedenen Fraktionen an den Start: Briten, Afrikakorps, Wehrmacht und US-Streitkräfte. Wie ihr es gewohnt seid, hat jede Partei ihre Stärken, die Wehrmacht ist etwa defensiv stark, die Briten sind gute Allrounder. Eine zusätzliche Möglichkeit, euch weiter zu spezialisieren, bieten euch die Battlegroups, die für jede Fraktion verfügbar sind.

Bei der US-Armee gibt es etwa Airborne (Nachschub und Verstärkung aus der Luft, Luftangriffe) Armored (Verbesserte Fahrzeug-Performance und -Produktion) sowie Special Ops (Einheiten, die darauf spezialisiert sind, feindliche Linien zu durchbrechen). Ähnlich sieht es bei den anderen Fraktionen aus, letztlich gibt es so unterschiedliche Optionen, die sich für verschiedene Spielstile eignen. Und im Multiplayer kann man das entsprechend miteinander kombinieren und Synergien schaffen, indem der eine etwa eine stärkere Infanterie nimmt, der andere stärkere Fahrzeuge.

Eine Mission in Company of Heroes 3.
Missionen laufen geskripteter ab als die dynamischen Gefechte, in denen ihr Territorien erobern und halten müsst.

Apropos Multiplayer. Company of Heroes 3 bietet sowohl kompetitive als auch kooperative Modi, alle 14 zum Launch verfügbaren Maps sind wiederum in beiden Varianten spielbar. Als Optionen sind 1 vs 1 bis 4 vs 4 verfügbar, kooperativ spielt ihr im 2 vs 2, 3 vs 3 oder 4 vs 4. Klickt ihr auf Multiplayer oder Koop, landet ihr direkt im Matchmaking, alternativ erstellt ihr euch ein benutzerdefiniertes privates oder öffentliches Match. Mod-Support ist ebenfalls vom ersten Tag an vorhanden.

Technisch gesehen gab es in der Testversion in manchen Levels hier und da noch vereinzelt flackernde Texturen, ansonsten lief das Spiel aber weitestgehend problemos und flüssig. Nennenswerte Bugs sind mir nicht aufgefallen, einzig die Wegfindung der Einheiten ist nicht immer ganz perfekt. Vereinzelt solltet ihr daher etwas genauer darauf achten, welchen Weg eure Leute nehmen. Oder ihren Pfad über die taktische Pause präziser in mehreren Schritten planen.

Company of Heroes 3 - Fazit

So sehr ich Spiele wie Command & Conquer und Age of Empires auch liebe, Company of Heroes (und das gilt auch für Teil drei) ist noch einmal eine andere Hausnummer. Die begrenzt verfügbaren Einheiten und die spannenden Gefechte fesseln mich einmal mehr an den Bildschirm. Ich weiß nie, was mich hinter der nächsten Ecke erwartet, ob nicht nach erfüllter Aufgabe plötzlich noch ein Gegenangriff heranrollt, auf den ich mich in Windeseile vorbereiten muss. Das Gameplay ist adrenalintreibend, erfordert taktisch kluges Vorgehen und die praktische neue Pausefunktion hilft euch dabei, im Kampf einen etwas kühleren Kopf zu bewahren.

Die zweite große Neuerung ist die dynamische Karte der Italien-Kampagne, die für ein ausgedehntes Erlebnis sorgt. Damit werdet ihr eine Weile beschäftigt sein, indes stellt die Nordafrika-Kampagne alle zufrieden, die es traditioneller bevorzugen. Sie alleine trägt das Spiel mit ihren acht Missionen aber nicht. Wie ich erwähnt habe, sorgt die dynamische Karte dafür, dass ihr noch mehr das Gefühl habt, Teil eines großen Feldzugs zu sein. Im Vorfeld wusste ich nicht so recht, was ich davon halten sollte, aber es macht definitiv Spaß, Italien Schritt für Schritt zu befreien, Entscheidungen zu treffen und zwischendrin spannende Gefechte zu absolvieren. Eine gelungene Mischung, ohne dass die Karte sich allzu sehr in Komplexität verliert und euch von den Hauptattraktionen - den Schlachten - fernhält.

Wenn ihr Fan der Reihe seid, könnt ihr bedenkenlos zugreifen. Und wer Company of Heroes bisher abgeneigt war: Probiert es aus, es lohnt sich! Nicht zuletzt Teil drei beweist auf eindrucksvolle Art, was diese Reihe auszeichnet. So sehr ich andere Strategiespiele mag, so intensive und spannende Kämpfe wie Company of Heroes 3, kombiniert mit einer ordentlichen Portion Spektakel in einer nahezu perfekten Inszenierung, bietet mir kaum eines davon.

Company of Heroes 3 Wertung: 9 / 10

Company of Heroes 3 - Pro und Contra

Pro:

  • Zwei Kampagnen mit jeder Menge Spielzeit
  • Strategisches Gameplay, das kluges Vorgehen erfodert
  • Neue taktische Pause ermöglicht es, in Ruhe Entscheidungen zu treffen
  • Intensive und spannende Schlachtfeldatmosphäre
  • Battlegroups ermöglichen zusätzliche Spezialisierungen

Contra:

  • Einzelne Wegfindungsprobleme

Entwickler: Relic Entertainment - Publisher: Sega - Plattformen: PC - Release: 23.02.2023 - Genre: Strategie - Preis (UVP): 59,99€

Später im Jahr 2023 erscheint Company of Heroes 3 außerdem für Xbox Series X/S und PlayStation 5.

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur, seit 2006 bei Eurogamer.de und schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps.

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