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F1 22 Test: Auf den Lifestyle könnte ich gut verzichten

Der Rest ist auch dieses Jahr spielenswert.
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Auf der Strecke ein mehr als kompetentes, unterhaltsames Rennspiel. Die neuen Lifestyle-Elemente wirken indes fehlplatziert.

Wann immer – oder zumindest in vielen Fällen – Entwickler Sachen in Videospiele einbauen, von denen sie denken, dass sie dem Coolness-Faktor zuträglich sind, denke ich mir häufig das Gegenteil. Klar, Lifestyle gehört zur Formel 1 wie zu anderen populären Sportarten, aber muss das ernsthaft so im Videospiel landen? Ich will keine Lifestyle-Simulation, die zugleich die Tür für weitere Mikrotransaktionen (etwa der Brand Shop mit Kleidung, die mit Pitcoins gekauft wird) öffnet, in einem Formel-1-Rennspiel. Ich will einfach Rennen fahren, der ganze Zirkus drumherum kann mir gestohlen bleiben. Wenn ich allein an diese Inszenierung nach dem Miami-GP mit Polizeieskorte durch den Innenraum eines Football-Stadions denke... Wie sehr möchten Sie es übertreiben? Ja! Aber gut, Amerikaner sind manchmal etwas... sagen wir speziell.

Zum Glück übertreibt es Codemasters in F1 22 nicht, bisher zumindest beschränkt man sich auf das Menü und die Online-Aspekte, in denen ihr eure tollen Lifestyle-Errungenschaften und gekaufte virtuelle Klamotten oder Möbel zur Schau stellen könnt. Auf wen genau das beeindruckend wirken soll, ich weiß es nicht. Zumal die meisten Sachen nicht gerade wie Dinge wirken, die ich mit Stolz anderen unter die Nase reiben würde. Eher wie etwas, was ich auch im Laden um die Ecke kaufen könnte. Immerhin lässt sich manches davon auch als Belohnung freischalten. Aber insgesamt ist mit dieser neue Aspekt relativ Schnuppe. Für mein Spielerlebnis kann ich es zum Glück weitestgehend ignorieren, auch wenn mir die Entwicklung nicht zusagt. Solange Codemasters nicht anfängt, das alles noch weiter in andere Spielmodi zu quetschen, kann ich damit leben.

F1 22 bewegt sich kompetent auf der Rennstrecke

Widmen wir uns lieber den spannenderen und unterhaltsameren Dingen. Damit ist natürlich das Fahren gemeint. In diesem Bereich könnt ihr die üblichen Detailänderungen erwarten, die alles noch realistischer, noch originalgetreuer machen sollen. Mercedes' nerviges "Hoppel"-Problem der Fahrzeuge hat es nicht ins Spiel geschafft und grob gesagt fahren sich die Wagen so gut wie im vergangenen Jahr, nichts fühlt sich falsch oder problematisch an. Es gab für diese Saison einige Regeländerungen, die für das virtuelle Rennvergnügen adaptiert werden. Es sind Änderungen, deren Folgen, etwa mehr Grip in Kurven, vermutlicher eher diejenigen unter euch spüren, die viele, viele Stunden in F1 2021 gesteckt haben. Wer eher "casual" unterwegs ist, wird den Unterschied kaum zu spüren bekommen.

Klamotten für euren Avatar kaufen. Genau das hat in einem F1-Spiel noch gefehlt.

Zu den Sachen, die man bei einem offiziellen Lizenzspiel erwarten kann, gehören unter anderem die neue Strecke in Miami sowie größere Änderungen an vorhandenen Kursen in Spanien, Australien und Abu Dhabi. All das wird originalgetreu und in gewohnter Qualität umgesetzt, wodurch das Spiel komplett auf dem aktuellen Stand ist. Das gilt ebenso für die Sprintrennen, die dieses Jahr ihr Debüt geben. Bei einigen Rennwochenenden als buchstäblicher Zwischenspurt zwischen Qualifying und Rennen gedacht, geben sie euch eine weitere Beschäftigungsmöglichkeit sowie eine Chance auf weitere Punkte.

Nette Dreingaben sind neue Cinematic-Optionen für Boxenstopps, Einführungsrunden und Safety-Car-Phasen. Wenn ihr das möchtet, könnt ihr euch in solchen Situationen zurücklehnen und müsst nichts selbst machen. Einfach wie im Fernsehen zuschauen und danach übernehmt ihr wieder die direkte Kontrolle. Den im vergangenen Jahr eingeführten Story-Modus Braking Point sucht ihr in diesem Jahr vergeblich. Es ist nicht so, dass er gestrichen worden wäre, aber vor dem Release hatte Codemasters betont, ein zweijähriger Entwicklungszyklus sei dafür ideal. Wenn alles so bleibt, können wir wohl 2023 in F1 23 mit einer Rückkehr rechnen.

Diesmal keine Story, dafür mit Supercars

Ohne Braking Point spielt sich F1 22 im Grunde so, wie ihr es erwartet. Ihr habt die Karriere (auch für zwei Spieler), fahrt Rennen oder stürzt euch in den Online-Modus. In der Karriere spielen auch Neuerungen wie zusätzliche Events an einem Wochenende, darunter die Sprintrennen, eine Rolle, ebenso erwarten euch neue Einstiegspunkte, die effektiv eure verfügbare Leistung und das Budget bestimmen. Hier und da ein paar kleinere Erweiterungen, aber nichts Weltbewegendes.

Im Fotomodus fangt ihr jede beliebige Szene auf der Strecke ein, hier mein Wagen aus der Karriere.

Gänzlich neu sind die Supercars. Die sind nicht nur Teil von F1 Life und Ausstellungsstücke in eurem virtuellen Zuhause, ihr könnt sie auch fahren. Dazu gibt es etwa Time Trials oder 40 Pirelli-Hot-Lap-Herausforderungen zu absolvieren. Ihr schaltet sie durch den normalen Spielverlauf frei, sie lassen sich nicht kaufen. Eine nette Ergänzung für alle, die darauf gewartet haben, weil die Wagen auch Teil der F1-Rennwochenenden sind. Das macht das Spiel authentischer, klar, aber es ist nichts, was mir als Erstes als Neuerung in den Sinn gekommen wäre.

Anders sieht es mit einer Ergänzung aus, auf die sich besonders PC-Fans gefreut haben: Der VR-Modus. Der funktioniert in allen Modi des Spiels, mangels PC-VR-Headset konnte ich ihn aber nicht ausprobieren. Kollege Benjamin Schmädig wird euch dazu noch ein paar Eindrücke vermitteln, sobald Codemasters Probleme im Zusammenhang mit dem Oculus Rift CV1 in den Griff bekommen hat. Was die Zukunft anbelangt, hoffe ich hier zusätzlich noch auf Support für PlayStation VR2, sobald es erscheint.

Das Fahren an sich macht wieder sehr viel Spaß.

Was gibt es ansonsten groß zu sagen? Es ist ein jährliches Update mit erwartbaren Verbesserungen, die das Spiel nicht schlechter machen. Was schon einmal eine wichtige Erkenntnis ist. Die virtuellen Formel-1-Wagen sehen gut aus, hören sich gut an und fahren sich gut. Es gibt die übliche Vielfalt an Optionen zur detaillierten Anpassung der Herausforderung – findet ihr den richtigen Sweetspot bei der KI-Schwierigkeit, habt ihr richtig viel Spaß – und wie jedes Jahr spiele ich gerne den Karrieremodus, um mein Team langsam an die Spitze zu führen.

F1 22 Test - Fazit

Also: F1 22 kaufen? Wenn ihr die Version mit den aktuellsten Strecken- und Fahrerdaten haben möchtet, führt kein Weg daran vorbei. F1 Life oder Supercars sind für mich nicht die großen Kaufargumente, für beinharte Fans vielleicht schon. Wie erwähnt, macht F1 22 nicht viel falsch und es ist ein unterhaltsames, gut funktionierendes Rennspiel, das die Formel 1 prima virtuell zur Geltung bringt. Ein Spiel, mit dem man sich längere Zeit beschäftigen und Spaß haben kann. Reicht euch das als Kaufgrund aus, spricht wenig dagegen.

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur und seit 2006 bei Eurogamer.de. Er schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps. Benjamin spielt Videospiele hauptsächlich auf Konsolen. Seine Expertengebiete sind breit gefächert, von Shootern und Action-Adventures über RPGs bis hin zu Sportspielen und Rennspielen. Zu seinen Hobbys gehören Lego, Science Fiction, Bücher, Filme und Serien sowie Star Wars und Star Trek.

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