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GTA 6 Leaks: Rockstar, macht euch wegen uns keine Sorgen – aber wegen zig anderer Dinge schon

War der kleine Blick in die Vergangenheit von GTA 6 das wert?

Es gab einen Mega-Leak zu GTA 6. Das ist nicht wirklich übertrieben, denn im Gegensatz zum mittlerweile fest eingeplanten Ubi-Leak kurz vor einer wichtigen Verkündung waren hier nicht 3 Minuten weitestgehend fertiges Material zu sehen, dass man in bessere Qualität eh ein paar Stunden oder Tage später bekommt, sondern mehrere Stunden unfertiger Dinge aus GTA 6, Entwicklertool-Einblendungen, Quellcode-Teile und mehr inklusive.

Dass das Material echt ist, ist mittlerweile klar und auch seitens Rockstar bestätigt. Blieb ihnen ja nichts anderes übrig, schon allein weil wenn es die üblichen schlecht gefakten Klick-Schnapper-Vids wären, frisch in Unity zusammengekloppt, dann hätte Rockstar nicht so viel Energie darauf verwandt, dass die Sachen so schnell wie möglich wieder aus dem Netz verschwinden. Der an dieser Stelle unvermeidbare Streisand-Effekt – wer die Geschichte nicht kennt: 2003 verklagte Barbra Streisand einen Küstenfotografen, der Landschaftserosion dokumentierte, auf lächerliche 50 Millionen, weil er ihre Villa fotografierte hatte. So wie jedes andere Haus entlang von zig Kilometern Küste. Nach der Klage wusste jeder, dass dieses Haus Streisand gehörte, vorher keiner und hätte sie nicht geklagt, hätte es auch keiner erfahren. Ausgehend davon, dass selbst 50 Millionen für Streisand kein Gamechanger für ihre Finanzen gewesen wären, erreichte sie das Gegenteil von dem, was sie wollte mit der Klage. So wie Rockstar nun bestätigte, dass alles echt ist, ohne das initial vielleicht zu wollen. Aber im Gegensatz zu der schrulligen Celebrity-Dame hatten sie keine große Wahl.

Nicht, weil das Material der Popularität oder der Vorfreude schaden würde. Im Gegenteil. Das, was gezeigt wurde, sieht vor allem dafür, dass es wohl teilweise bereits drei Jahre alt ist, fantastisch aus. Das Diner, die Kleinstadt, all die zahllosen Details darin, laden sofort ein, zum Controller zu greifen, sich mit der sicher immer noch etwas hakeligen Steuerung anzufreunden und Next-Level-Sandbox zu genießen. Die erste Protagonistin der Serie macht ihre Aufwartung und alles sieht so aus, wie man es sich vorstellt, wenn das technisch aufwändigste Spiel der Welt die nächste Runde vorbereitet. Einfach super, haben wollen, doof, dass es noch dauert. Der Leak steigerte dieses Gefühl, statt es zu senken.

Dieser Aspekt kann Rockstar recht sein und es ist wohl auch der einzige, an den eine Reihe Kommentatoren im Netz dachten, als sie sich über Rockstars Reaktion wunderten. Worum es aber viel mehr gehen wird, ist, dass Leute mit Ahnung, angefangen von CD Projekt bis runter zum kleinsten Open-World-Indie-Entwickler einen Einblick in die Art bekommen können, wenn sie denn wollen, wie Rockstar die besten Welten der Welt schafft. Details der Videos, die für Laien bedeutungslos sind, weil man lieber den Rost auf einem Straßenschild bewundert, können in der Branche echtes Geld wert sein, von den geleakten Teilen des Quellcodes mal ganz abgesehen. CD Projekt kann ein Lied davon singen. Im Extremfall wäre ein Entwicklungsvorsprung, den man sich für viel Geld erarbeitet hat, zunichtegemacht. Das FBI dürfte eingeschaltet sein. Wenn dem denn so sei, möchte ich nicht der angeblich 18-Jährige sein, der das hier produziert hat…

Eine der beiden (?) Hauptfiguren wird in GTA 6 weiblich sein.

Bei dem dürften sich dann auch die Mitarbeiter bedanken, deren Homeoffice jetzt endgültig infrage gestellt werden dürfte. Die Dokumente scheinen alle aus 2019 und früh 2020 zu stammen. Das wäre dann der Beginn einer teilweise bis heute anhaltenden Wild-West-Zeit des Datentransfers aus sicheren Office-Servern hinaus in die weite Welt, wo auch immer jemand an was arbeitete. Ob das jetzt mittels Phishing ins Netzwerk eines Angestellten von Rockstars gelang, ein abgefangener WeTransfer-Link, ob es so etwas banal Dummes ist, wie eine in die Wildnis entlassene Backup-Festplatte oder doch Firmen-Server direkt angegangen wurden, dürfte bei der Diskussion keine große Rolle spielen. Die Leute aufseiten von Homeoffice dürften nun über die ganze Branche hinweg einen schwereren Stand haben.

War es das also für irgendjemanden wert? Sicher nicht für den Hacker. Scheinbar wird ihm das auch klar, denn er bietet wohl Verhandlungen mit Rockstar an. Wohl kaum für die Mitarbeiter, schon gar nicht denjenigen, dem der Fauxpas welcher Art auch immer unterlaufen ist. Nicht für Rockstar, deren Enthusiasmus, dass ein Teil des Netzes sich über die Qualität eines frühen Builds freut, vom Bekanntwerden der technischen Firmeninterna gebremst sein dürfte. Wir können uns freuen, einen Einblick in ein Spiel zu bekommen, von dem wir eh fest ausgehen, dass es so und noch viel besser aussehen würde. Ist etwas, nehme ich an, man muss auch mal das Gute sehen.

Es ist nicht so, dass ich mich gar nicht über Leaks freuen würde. Kleine Einblicke in die sonst unzugängliche Welt nehme ich gerne mit, danke dafür Ubisoft. Wenn es um das Aufdecken von Missständen geht, dann ist das auch noch mal was anderes. Aber das hier schadet nur der Entwicklung solch absurd teurer Triple-A-Produkte im Allgemeinen, den Mitarbeitern von Rockstar im Speziellen und so richtig gewonnen hatte am Ende keiner was. Na ja, wir haben die Klicks mitgenommen. Fair enough, danke dafür nehme ich an.

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Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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