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Ich denke für Saints Row war zurück der einzige Weg. Scheint so als hätte ich recht gehabt

Volition besinnt sich auf alte Werte: Verrückte Gangs, ein wenig GTA und jede Menge Farbe.

Brauchte die Welt ein Saints Row 5? Nein. Das Thema war abgeschlossen und damit meine ich nicht mal den Ausflug in die Verwirrungen von Volitions Nullnummer Agents of… Chaos? Madness? Maynard? Etwas in der Richtung war es, wen interessiert es noch. Die alte Saints Crew war am Ende, in der Hölle und im digitalen Limbo, Zeit für einen echten Reboot. Zeit für wieder nur Saints Row.

Warum das eine gute Idee ist und "GTA ist doch eh besser" kein echtes Argument, dürfte schnell klar werden, wenn man zuerst an die alten Eskapaden der Saints denkt. Das hatte nicht mehr viel mit GTA zu tun. Und GTA auf der anderen floriert zwar blendend Online vor sich hin, aber Offline und Story-Gangster-Open-World-basiert passiert da nicht mehr viel. Sicher, eines Tages kommt GTA 6 und es wird besser sein. Aber aktuell hat Saints Row sich den besten Slot gesichert, den es sich für seinen Release erhoffen konnte.

Verfolgungsjagd auf einem Dirtbike durch die Wüste, jede Menge Verfolger und man darf dürch Büsche fahren? Bin dabei. Viel komplizierter muss man es mitunter nicht machen.

Saints Row, bevor alles aus dem Ruder – in für eine Weile in eine sehr spaßige – Richtung lief, war die Idee eines GTA, nur etwas verrückter. Mehr wilde Looks, ein wenig ruppiger, ein ganzes Stück verrückter und lustiger. Das scheint der Weg zu sein, auf den man sich nun besann. In einer Art Wüsten-Vegas-Wildnis spielt ihr mit einer neuen Generation von Saints mal Möchtegern-Superganster, der durch die Nacht gleitet, mal Dukes-of-Hazard mit 20 Polizeiautos. Dann stürmt ihr einen feindlichen Convoy, mit nichts bewaffnet als einem Apache-Kampfhubschrauber. Es ist ein Mix aus Open-World-Chill, Missions-Action und Sandbox-Chaos. So, wie es sein sollte.

Es gibt auch sicher eine Story. Was mit… Gangs? Sicher. Warum nicht. Die Polizei hängt mit drin, es würde mich nicht überraschen, wenn denn die Aliens nicht einen Cameo bekommen. Aber bitte nicht mehr als das. Sicher, Saints Row bietet alles Mögliche, nur nicht übertriebene Bodenhaftung in Sachen Realität, aber es scheint eben nicht komplett freizudrehen. Die Sprünge hunderte Meter in die Luft mit Superhelden-Landung müssen für Reboot-Teil-4 bleiben, aktuell muss ein Wingsuit reichen, der wie die etwas zahmerer Version von Ricos Lieblingsspielzeug aus Just Cause wirkt. Aber wenn sich das gut steuert, dann ist das alles, was es braucht, um in Los Santos Light, hier genannt Santo Ileso Spaß zu haben.

Ausgehend vom gezeigten Material wird viel geballert, wie sich das dann anfühlt bleibt aktuell noch die große Frage.

Das ist aktuell ehrlich gesagt das einzige Problem, das ich erkennen kann. Nicht, weil ich weiß, dass es besteht, sondern weil es nach wie vor keine Möglichkeit zum selbst Spielen gab. Ein Spiel kann trotz der Fahrzeugsteuerung funktionieren – siehe fast jedes GTA, das nicht V heißt –, es kann mit einer mäßigen Shooter-Steuerung und magerem Treffer-Feedback sein Ding machen – siehe jedes GTA –, aber es hilft ungemein, wenn es das nicht muss. Gerade die letzten Saints Row und zum Glück auch Volitions verfehlte Super-Agenten konnten in diesen Punkten durchaus überzeugen und von allem, was sich aus dem gezeigten Material ablesen lässt, sollte das passen.

Okay, das Shootern, das wirkt noch so, nun, leblos. Die Kopftreffer platzen so ein wenig lustlos daher, das Waffen-Feel kommt visuell etwas zu gradlinig daher. Wenn man das so lange schon macht wie wir hier, dann hat man ein Gefühl beim Zuschauen, wie es dann mit dem Controller in der Hand sein wird und bisher kribbelt es hier beim Anblick noch nicht in den Fingern. Im Gegensatz zu Szenen, in denen ein Motorrad wild durch die Pampa brettert, durch Zäune durch und über wilde Hügel. Man sieht genau, wo ein Deko-Landschaftsobjekt einfach unrealistisch umgemäht wird, ohne den Spieler unnötig aus dem Flow zu reißen und wo die echten Hindernisse sind. Man sieht das und will den Controller haben, um die virtuellen Räder selbst laufen zu lassen. In dem Punkt bin ich sehr zuversichtlich.

Wie ein Eichhörnchen segeln und Autos kapern. Oder von Passanten ab-bouncen. Es ist immer noch Saints Row.

Und was die Technik generell angeht, nun, ich mag, was ich sehe. Aber was ich definitiv nicht sehe, ist die Next-Gen-Formvollendung, die wir langsam gern mal hätten, nachdem die neuen Konsolen jetzt schon ein Weilchen hier rotieren. Sicher, Saints Row war jetzt nicht unbedingt der Titel, wo man das erhoffen darf oder einfordern sollte, aber sieht teilweise einfach so gut aus. Gerade Texturen wie manche Graffitis auf Backstein sind hinreißend, nur um dann wieder von Charaktermodellen aus der letzten Generation zurück in die Wirklichkeit gerissen zu werden.

Ich erwarte jetzt hier und da schon noch ein paar moderne Licht- und sonstige Effekte, wenn es um die Landschaft geht. Das sind Dinge, die kommen oft auf den letzten Metern einer Entwicklung noch dazu, aber die Basis von vielem hier wirkt schon eher wie GTA V vor dem letzten großen Update. Sicher, das ist immer noch ein sehr solider Maßstab für alles, was nicht GTA heißt, aber trotzdem: Immer wieder gönnt sich Saints Row im Gezeigten kleine Spritzer von optischer Dekadenz, von denen man dann gleich mehr will. Wir Gamer sind nun mal gierig, was das angeht.

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Es gibt auch größere Kaliber in der Luft. Wortwörtlich. Wenn Gang-Rivalitäten dieses Niveau ereicht haben, wird es wohl Zeit, die Stadt zu wechseln.

Ein wichtiger Punkt ist natürlich die Möglichkeit, sich praktisch alles zu eigen zu machen. War es irgendwann schon mal Innovation, wenn man die eigene Flagge gestalten durfte, dreht Saints Row hier alle Zeiger auf 11 bis 13. Wie hier schon in einer willkürlichen Auswahl an Screenshots aus dem uferlosen Editor zu sehen, gehört der Look des Spiels euch. Zumindest der Teil, der zu eurer Gang gehört, die anderen dürften wohl ihr Ding in Pink, Neon und in den Regenbogenfarbtopf gefallen machen. Es ist einfach ein lebensfreudiges Spiel, was diese Palette angeht. Die reale Tristesse der Wüstenstadt schreit einen in bunter Bestlaune förmlich an und singt eine koreanische Cover-Version von Walking on Sunshine. Das kann manchmal sicher zu viel werden, aber bisher sieht es alles genau richtig aus.

Die Stadt macht aber scheinbar auch fröhlich mit. Zwischen Canyons, Vorstädten, Industrieanlagen und Felsformationen bleibt wohl immer Raum für ein klein wenig Irrsinn und eine Sache hat es mir vor allem angetan: das Licht. Wie auch GTA V fängt Saints Row genau dieses seltsame kalifornische Spektrum ein, das eigentlich schon immer das wahre Gold Hollywoods war. Wenn ihr euch mal gewundert habt, warum ein Film aus Babelsberg bei allem Budget nicht wie L.A. aussieht, das ist ein wichtiger Grund. Diese Ecke der Welt hat ein ganz eigenes Licht und das hier ist natürlich bei allem Talent nach wie vor die auf Etsy gekaufte "echt Mona Lisa Bild Wohnzimer mit Ramen" und eben nicht das Louvre. Aber für den Moment reicht es. Allein das macht Laune auf einen Ausflug mit den Saints durch die Wüste und Lower-Class-Suburbia.

Koop-Spaß und Blödsinn: Gebt einen Freund einen Lift durch die Stadt, er muss nicht mal aussteigen.

Ich gebe zu, ich habe mich gewandelt. Von jemandem, der einfach nur den Picard-Facepalm bereit hatte als ich zuerst von Volitions Rückkehr zur Row hörte. Aber mittlerweile bin ich vielleicht noch nicht Feuer und Flamme, aber das, was ich hier sehe, macht mich schon an. Es ist das, was sie zeigen mussten, um zu beweisen, dass ein Saints Row seinen Platz hat. Dass GTA eben nicht alles ist, Ubisoft eh nie etwas in genau dieser Richtung auf die Reihe bringen wird und der Zeitpunkt für dieses Unterfangen genau jetzt ist. Wird SaintsRow das ganz große Teil, das jetzt Elden Ring als Gaming-Thema des Jahres den Rang ablaufen wird?

Nun… ja. Für ein kurzes Weilchen zumindest hätte es das Zeug dazu. Das Gezeigte wirkt frisch und ausgeschlafen, spaßig und frei und vor allem befreit. Agents of Mayhem fühlte sich vom ersten Screenshot als die entwicklungstechnische Verkrampfung an, die es war. Das hier alles macht sofort den Eindruck, dass da Leute daran saßen, die wussten, was sie taten, die das tun wollten und sich im besten Sinne austobten. Am Ende hängt immer noch alles vom "Feel" ab. Wie spielt es sich, wie schießt und wie fährt es sich. Wenn das nicht passt, kann man noch so viel Editor reinpacken. Aber wenn Volition das hinbekommt – und ich bin da zuversichtlich, schließlich wäre es nicht das erste Mal –, dann hat der Saints Row Reboot nicht nur den Sinn ein Studio am Laufen zu halten. Sondern endlich wieder eine gelungene Gangster-Open-Chaos-World mit einem eigenen Kopf neben den übermächtigen Konkurrenten zu setzen. Sicher, am Ende wird ein Saints Row nie ein GTA werden. Aber das musste es auch nie, um irren Spaß zu verbreiten. Und nach dem sieht Saints Row im Augenblick aus.

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Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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