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The Legend of Spyro: A New Beginning

Alles wird anders? Leider nicht!

Erst kürzlich habe ich gelesen, dass sich die Spiele der Spyro-Reihe insgesamt über 17 Millionen Mal verkauft haben sollen. Wow, ich meine… man muss kein BWL-Diplom haben, um zu wissen, dass das mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit eine ganze Menge ist. Und ich muss sagen, dass mich das Marktpotential des lila Knuddeldrachen, der einst das 3D-Jump & Run auf der PSone etablierte, ein bisschen überrascht hat.

Sicher, unter der Federführung von Insomniac Games hatten die PSone-Spyros das Kritikerlob drei Jahre und Spiele lang gepachtet. Nach dem Ende der 32-Bit Ära und mit dem Publisherwechsel von Sony zu Vivendi Universal – sowie dem damit verbundenen „Entwickler-Hopping“ (von Insomniac zu Vivendi In-House zu Eurocom zu Krome) – fabrizierte der geflügelte Feuerspucker jedoch eine Gameplay-Bruchlandung nach der anderen – Millionenseller stellt man sich doch eigentlich anders vor.

Anders = besser?

Die Welten entsprechen dem Genre-Standard.

Ein wirklich gutes Spyro-Spiel ward also seit sechs Jahren nicht mehr gesehen. Beim sechsten Anflug des kecken Lindwurms auf die Heimkonsolen sitzen nun die australischen Krome Studios im Tower und versprechen schon im Titel, dass diesmal – wirklich, wirklich – alles anders werden soll. Und damit meine ich nicht einmal das fast reumütig angehängte „A New Beginning“, sondern eher den vollmundigen Zusatz „The Legend of…“, der nicht nur Nintendo-Fans mit grüner Zipfelmütze die Ohren spitzen lässt. Dieser Seitenhieb verrät uns immerhin etwas über die Ausrichtung von Spyros Neuanfang.Schließlich möchten die Krome Studios weg vom sammelfreudigen Jump & Run und hin zum Weltenretter-Action-Adventure.

Der Begriff „Anfang“ ist hierbei wörtlich zu nehmen. Tatsächlich werdet ihr nämlich Zeuge von Spyros Geburt. Dieser wird – noch als Ei – vor den Schergen des bösen Cynder in den Sümpfen versteckt, wo ihn eine Familie sprechender Libellen findet und aufzieht. Wie der Zufall so will, stolpert Spyro später seinem Retter Ignitus vor die Pranken und erfährt, dass er der Einzige ist, der Cynder besiegen kann..yadda, yadda, yadda...Alles schon mal gehört.

Alles schon mal gesehen?

Sodbrennen.

Wenden wir uns wieder relevanten Dingen zu. Spyro springt, gleitet, rennt und sprintet quietschfidel und niedlich animiert durch die linearen Level. Die Hüpfspielelemente stehen dabei deutlich im Hintergrund. Nur alle paar hundert Meter macht Ihr einen Satz über einen gähnenden Abgrund oder auf erhöhte Plattformen und werdet an die Wurzeln des purpurn Pyromanen erinnert.

Ungewohntere Assoziationen weckt da das Kampfsystem, das Euch meist mehr als vier Gegner zugleich auf den schuppigen Leib hetzt. Man wird das Gefühl nicht los, dass God of War mächtig Eindruck bei den Programmierern der Krome-Studios gemacht hat. Wirklich gelungen sind den Australiern die Gameplay-Leihgaben aber nicht. Um mal eine Metapher zu bemühen: Wenn God of War Espresso wäre, wäre A New Beginning Cola-Light – und zwar koffeinfrei. Vor sehr viel weniger spektakulären Kulissen drängt in hoher Regelmäßigkeit überzeichnetes Pavian-Gesocks in den Mittelpunkt des Spielgeschehens. Dieses nehmt Ihr am Boden und in der Luft mit simplen Combos auf die Hörner. Ordentliches Timing für Blocks oder Ausweichmanöver ist in den Kämpfen nicht gefragt. Bearbeitet Ihr gerade einen Gegner, informiert Euch eine Gesundheitsanzeige im oberen rechten Bildschirmeck über dessen Befinden. Die einzige wichtige Erkenntniss die euch der Lebensbalken liefert ist, dass die relativ ungefährlichen Widersacher einfach viel zu viel einstecken können.

Verzögerungstaktik

Die Kämpfe werden dadurch nicht spannender, sondern nur länger. Am besten fuhr ich mit folgender Taktik: Man wählt eine von Spyros zerstörerischen, magischen Atemsorten – unter anderem Feuer, Eis und Elektrizität (die Duftnote „Morgenschlund“ ist wider Erwarten nicht im Angebot) – und legt damit eine handvoll Feinde in Brand, auf Eis oder unter Strom. Den nun kurzzeitig Bewegungsunfähigen kann man anschließend leicht die sparsam bemessene künstliche Intelligenz aus dem Leib prügeln. Diese Prozedur kann bei Bedarf beliebig oft wiederholt werden. Rein theoretisch sollen die Gegner-Kreaturen Affinitäten gegen bestimmte Atemgattungen aufweisen, aufgrund des „Lähm-Effektes“ wird sich mit diesen aber kaum jemand genauer befassen wollen.

Gefallene Störenfriede hinterlassen Euch drei verschiedene Kristallsorten, die – wie könnte es anders sein – Lebensenergie und Magiepunkte wieder aufbessern. Die dritte Gattung investiert Ihr in Upgrades Eurer Zauberattacken. Dies geschieht in einem Menü, in dem sich Sonys griechischer Rabiator auf Anhieb zurecht finden würde.

Der relativ knapp bemessene Spaß, den man aus den mit zahlreichen hübschen Partikeleffekten ausgeschmückten Kämpfen in A New Beginning ziehen könnte, ist nicht einmal das eigentliche Problem. Viel mehr zerrt die hohe Frequenz der Prügeleien am Geduldsfaden wie ein hungriger Dobermann. Welle um Welle der detailarmen Langweiler schleudert einem der Programmcode entgegen, bevor man seine Pfoten in den nächsten Abschnitt setzen darf. Dort beginnt dasselbe Spiel von vorn.

“Ich glaube, wir sind einander noch nicht vorgestellt worden.“

Nichts von dem, was Euch die Spielumgebung abverlangt, ist besonders erwähnenswert oder gar fordernd. Wann immer Euch zum Beispiel im obligatorischen Schneelevel ein Hindernis im Wege steht, findet sich in unmittelbarer Nachbarschaft eine riesiges Katapult, neben dem wiederum eine eingeschneite Tanne vor sich hin fröstelt. Per Geweihschlag befreit Ihr dem Baum von ihrer weißen Last – die herunter fallenden, genau drei, Schneekugeln schiebt Ihr als Munition auf die Belagerungsmaschinerie und Feuer! Dieses Prozedere musste ich in besagtem Level ein gefühltes dutzend Mal wiederholen. Hier wird offensichtlich, dass Krome ein bisschen zu sehr von der Qualität ihres Kampfsystems überzeugt waren. Und selbst wenn die Prügeleien ihrem großen Vorbild um den humorlosen Spartaner das Wasser reichen könnten, wäre das noch lange kein Ersatz für forderndes, oder in irgendeiner Weise bemerkenswertes Leveldesign. In diese Kategorie fallen am ehesten noch die gelegentlichen Flugeinlagen, die zumindest visuell etwas hermachen. Allerdings sind die Starfox-Hommagen viel zu kurz und – dank unendlicher zielsuchender Geschosse - auch keine Herausforderung.

Mit Elijah Wood, David Spade und Gary Oldman versuchen zweieinhalb ganz vorzügliche Schauspieler einiges, um dem unendlich lahm, einfallslos und vor allem dünn ausgerollten Storyteppich mit ihren Stimmen ein paar Farbtupfer zu verleihen – anscheinend haben die aber schon genug mit ihrer eigenen Langeweile zu kämpfen. Wer sich wider besseres Wissen für die deutschen Stimmen entscheidet, bekommt die übliche, lieblose Fließbandlokalisation um die Ohren.

Spyros jüngster Auftritt erinnert mich ein bisschen an das Comeback eines Popstars, der seine besten Zeiten hinter sich hat. „Alles neu, alles anders – aber auf jeden Fall sehr viel reifer!“ versucht man auch hier ein technisch solides Paket mit hübscher Präsentation an den Mann zu bringen. Und es stecken tatsächlich eine Menge Geld und große Namen in „The Legend of Spyro“ – es ist nur alles andere als legendär.

Letztendlich würde ich A New Beginning ja gerne für die jüngeren PS2-Besitzer empfehlen, aber Krome musste mit seiner neuen Ausrichtung ja unbedingt ein älteres Publikum (Freigabe „ab 12 Jahren“) anvisieren. Gratulation: Zielsicherer kann man eine Marke eigentlich nicht an der prädestinierten Zielgruppe vorbeiprogrammieren! Noch 5.

5 / 10

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Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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