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Tales from the Borderlands, Episode 3: Catch a Ride - Test

Awesome.
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Nach drei von fünf Episoden Tales from the Borderlands ist es definitiv so weit, dass ich sagen kann: Es ist Telltales bislang bestes Spiel. Vielleicht nicht, wenn ihr mehr auf Drama à la The Walking Dead oder The Wolf Among Us steht, aber betrachtet man alleine den Unterhaltungswert, liegt Telltales Ausflug ins Borderlands-Universum kilometerweit vor den bisherigen Spielen des Studios.

Catch a Ride knüpft nahtlos an das Ende der zweiten Folge an und, was für Telltale eigentlich eher untypisch ist, bietet anschließend deutliche Unterschiede im Storyverlauf - je nachdem, welche Entscheidung ihr am Ende von Atlas Mugged getroffen habt. Und zwar so sehr, dass sich ein zweiter Durchgang durchaus lohnt, um zu sehen, wie sich die Geschichte jeweils entwickelt. Die Ereignisse der beiden vorherigen Episoden gipfeln hier erst mal in einem vorläufigen Höhepunkt, der viele der bisher eingeführten Figuren mit einschließt, aber auch neue Feinde und Freunde mit sich bringt.

Dabei werden wieder einmal neue Fragen aufgeworfen, bisherige Theorien, die ihr vielleicht hattet, über den Haufen geworfen, und die Dinge wenden sich so, wie ihr es vermutlich nicht erwartet habt. Das gilt besonders für Athena, die hier eine größere Rolle spielt und unter anderem Fiona lehrt, was es heißt, ein Vault Hunter zu sein. Währenddessen kämpft Rhys noch immer mit der virtuellen Version von Jack und versucht sein Möglichstes, um ihn zu ignorieren und loszuwerden - oder aber ihr vertraut ihm, das liegt ganz bei euch. Ob Letzteres wirklich so gesund ist, darf wohl bezweifelt werden.

Wer könnte da schon nein sagen?

Wie schon in den beiden Vorgängerepisoden trifft Telltale in Catch a Ride wieder die perfekte Balance aus Drama, Action und Humor, wobei sich das Spiel eher selten ernst nimmt. Gleich zu Beginn spielt man etwa auf die doch etwas längeren Wartezeiten zwischen den Episoden an oder auch mit den kleinen, Telltale-typischen Hinweisen wie „XYZ will remember that". Mitunter hat man den Eindruck, dass sich die Entwickler gerne selbst parodieren, was in diesem Spiel zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt wirkt. Auch ansonsten ist die Episode wieder für einige Lacher gut und bislang ist die Reihe unterhalterisch das Beste, was ich seit langer Zeit gespielt habe. Tatsächlich kommt der Borderlands-Humor meiner Meinung nach durch die eher film- oder serienähnlichere Umsetzung hier sogar besser zur Geltung als in den anderen Borderlands-Spielen. Aber das liegt vermutlich auch daran, dass ich mich hier besser mit den Hauptcharakteren identifizieren kann.

Eines der Highlights der aktuellen Folge ist der neue Charakter Gortys, ein kleiner Roboter, der sich eurer Gruppe anschließt und der Schlüssel zur Vault ist, nach der alle suchen. Gortys ist naiv, wirkt unschuldig und ist somit quasi das komplette Gegenteil von Pandoras harter Realität, aber das macht die Gespräche und Interaktionen mit ihr umso interessanter. Und das nicht nur, wenn ihr aktiv Dialoge führt, sondern etwa auch ihren Interaktionen mit dem sonst so sarkastischen Loader Bot lauscht. Hinzu kommt, dass Gortys von Ashley Johnson (Ellie in The Last of Us) vertont wird, die mit ihrer Performance den Nagel auf den Kopf trifft. Perfekte Besetzung.

Das Pacing ist wirklich eine der Stärken von Tales from the Borderlands. Es gibt zwar hier und da ruhigere Momente, in denen ihr mal die Umgebung untersucht oder den Ausblick genießen könnt, aber schon im nächsten Augenblick hangelt ihr euch wieder von einem lustigen und gleichermaßen dramatischen Moment zum nächsten. So entsteht insgesamt weniger Leerlauf und die Zeit vergeht wie im Flug. Es ist das komplette Gegenteil der Tristesse, die ihr regelmäßig in The Walking Dead zu spüren bekommt und die schon mal ein wenig deprimieren kann.

Getrübt wurde der Spaß zumindest beim Durchspielen auf der Xbox One von einigen Rucklern und Hängern, besonders in der zweiten Hälfte der Episode, wo es häufiger zu Szenenwechseln kommt. Am Anfang gibt es hingegen nur wenige bis gar keine Probleme, was auch die Frage aufwirft, ob Telltale hier womöglich ein wenig die Zeit für den Feinschliff ausgegangen ist? Das hat man definitiv auch in Tales from the Borderlands schon besser gesehen und sollte in der Form eigentlich nicht passieren.

Fiona lernt einiges von Athena.

Ich bin jedes Mal ein bisschen traurig, wenn die jeweils aktuelle Episode von Tales from the Borderlands zu Ende geht. Und das ist ein Gefühl, das ich in Telltales anderen Spielen so bislang nicht verspürt habe. Sicherlich wollte ich wissen, wie es in The Walking Dead oder The Wolf Among Us weitergeht, aber ein solcher Drang wie bei Tales from the Borderlands war es nicht. Wenn ihr schlicht Spaß und Unterhaltung haben wollt, dazu ein bisschen Action und Drama mit einem gewaltigen Schuss Selbstironie, dann kommt ihr an Tales from the Borderlands eigentlich nicht vorbei. So viel kann man bereits nach drei der fünf Episoden getrost sagen. Well done, Telltale. Jetzt noch ein vernünftiger Abschluss und ich ziehe endgültig meinen Hut.

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur, seit 2006 bei Eurogamer.de und schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps.

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