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Alt+F40: Warum Elite: Dangerous' Shooter-Part wichtig ist - und warum doch noch Hoffnung für die Menschheit besteht

KW 13/21: Nintendo nimmt es mit dem "Disney Japans" ernst. Zu ernst.

Die allwöchentliche Frage, aber deshalb nicht weniger wichtig und kein bisschen floskelig: Wie geht es euch so? Hier ist alles halbwegs in Ordnung. Mein Erstgeborener, keine vier Jahre, hat gestern seinen ersten Witz erzählt. Verstanden hat er ihn selbst wohl nicht. Gut fand ich ihn trotzdem. Wir sitzen beim Nachmittagssnack um den Küchentisch. Ohne Ansage, irgendwo zwischen Papas "ich will noch Getränke kaufen fahren" und Mamas "wann sollen wir Jakob und Simone (Namen von der Redaktion geändert oder auch nicht) beim Streichen helfen?" legt er los: "Was ist grün und guckt durchs Schlüsselloch?" - gelungene komödiantische Pause, alle Achtung! - "Spionat!" Breites Grinsen. Hätte eigentlich unter "Höhepunkt der Woche" gehört, aber da steht was anderes, denn der Knirps ist sowieso jeden Tag ein Highlight.

Inhalt


Nein, Elite: Dangerous wird auch mit der Odyssey-Erweiterung nicht zu Star Citizen

So, da ist nun also der erste Brocken der Odyssey-Alpha, die sich in vier Phasen bis zum Herbst in die volle Breite eines dann auch zu Fuß erkundbaren Universums strecken will. Futuristische Ballereien über die Visiere von Weltraumgewehren inklusive. Das klingt, als wolle Frontier Start Citizen Konkurrenz machen, auf seinen aktuell etwas sterilen Raumstationen und in seinen geleckten Waffen- und Ausrüstungsshops sieht es auch ein wenig so aus wie Chris Roberts' Mammutprojekt, aber die beiden Spiele werden im Kern unterschiedlich bleiben.

Die Missionen werden weiterhin aus dem Computer kommen. Es ist mir fast egal.

Elite war und ist gemütlicher, Star Citizen ist mehr Pop und Pomp. Elite ist Carl Sagan nach einem TNG-Marathon, Star Citizen ist Neil deGrasse Tyson, wenn James Cameron die Biografie drehen würde. Ich kann dennoch verstehen, wenn Kritiker bemängeln, dass dieses Spiel eine Zu-Fuß-Komponente mit Action-Elementen eigentlich nicht braucht, vor allem, wenn man bedenkt, dass Frontier nicht originär ein Shooter-Studio ist und sich laufen, springen, schießen nicht automatisch gut anfühlt, wenn man auf diesem Gebiet keine Expertise hat. Was das angeht, ist es noch zu früh, sich ein Urteil zu erlauben und was man in Phase eins der Alpha von Odyssey tun kann, ist sehr begrenzt. Man fliegt nicht mal selbst durch die Gegend und ist momentan auf nur ein Sonnensystem festgenagelt (okay, auch das klingt sehr nach Star Citizen...).

Ich werde zu einem anderen Zeitpunkt noch mehr ins Detail über die neue Erweiterung gehen, aber mir war wichtig, schon jetzt ein paar Takte darüber zu verlieren, warum für mich der neue First-Person-Modus eine große Sache ist: Es geht schlichtweg um Maßstäbe und Größenordnungen - "Scale" wie es Entwickler im Angelsächsischen so gerne nennen -, die einfach sehr viel immenser und irrsinniger wirken, sobald man den Spieler vom Schiff entkoppelt.

Hach... Es wird nie alt.

Das beginnt mit dem Größeneindruck, den die Schiffe vermitteln: Alleine schon vor einer eigentlich recht mickrigen Adder zu stehen, stößt dem Gefühl für diese Welt neue Türen auf. Und wenn man erst einmal nach einem nahtlosen Übergang vom Überlichtgeschwindigkeitsflug zum Atmosphärengleiten und der letztlichen Landung seinen Kahn verlässt und die Stiefel den staubigen Boden berühren, setzt das das eigene jämmerliche Dasein in dieser Galaxie in ein Verhältnis, das zugleich erbaulich und niederschmetternd ist. Es ist ein bisschen, wie das erste Mal das vielleicht wichtigste Foto aller Zeiten zu sehen und zu verstehen, was man da sieht: Ein Bild namens Hubble Ultra Deep Field, eine Fotografie eines Fleckchens Nachthimmel, an dem nichts zu sehen war. Also im Grunde einfach nur ein Stück schwarzer Nacht.

Nach entsprechender Belichtungsdauer traten in diesem vermeintlich gähnenden Nichts "hinter dem Sternen" ungezählte bunte Galaxien - nicht Sonnensysteme! - zu Tage. Irgendwie furchteinflößend, aber endlos faszinierend, inspirierend und wunderschön. Es hängt nicht umsonst hinter mir als Kunstdruck an der Wand. Kurzum: Ich freue mich nicht auf Odyssey, weil ich "endlich ballern" darf. Ich freue mich, weil es den metallenen Panzer um mich herum wegschält, mich den Elementen (oder deren Abwesenheit) entblößt und die Welt von Elite: Dangerous nach unten und nach oben hin noch größer erscheinen lässt - in einem Spiel, dessen beeindruckendster Verdienst ohnehin schon Größe ist, will das was heißen.

Mir ist fast egal, wie sich das anfühlen wird. Der Verschobene Fokus wird dieses Universum unermesslich vergrößern.

Weitere Notizen KW 13/21 - Highlights und Hängerchen

Höhepunkt der Woche: Dienstag, 13:30: Der Kleine hatte die Mumps-Masern-Röteln-Impfung mäßig vertragen, ein bisschen gefiebert und schlecht geschlafen. An Kita ist nicht zu denken. Der Große geht aber hin und muss um 14:00 Uhr abgeholt werden. Eingeschränkter Regelbetrieb nennt sich das in Coronazeiten. Weil ein Tag mit zwei Kleinkindern sehr lang werden kann, mache ich aus dem Abholen schon mal einen ausgedehnten Spaziergang. Ich habe mich diesmal aber verschätzt und muss eine halbe Stunde totschlagen. Der Kleine schläft im Kinderwagen, ich hieve meinen Kadaver auf die Bank in der Nähe des Kindergartens und lasse den Kopf auf den Griff des Bugaboo senken. Den Gedanken an eine Runde Grindstone auf dem Handy wischen meine zufallenden Augenlider weg wie Scheibenwischer einen Brummer von der Windschutzscheibe. Erstaunlich, wie man immer und überall schlafen kann, wenn man Kinder hat...

Ich werde wach, als ein junger Mann mit rasiertem Kopf, umgedrehtem Baseball-Cap, Goldkettchen und Kampfhund in dem Muskelmann-Gang vorbeispaziert, den ich seit zwanzig Jahren nicht mehr draufhabe. Er lacht hörbar. Als er sieht, dass ich mit angefressener Miene aufschaue, nickt er mir grinsend, aber beschwichtigend zu: "Alter, dass sah mega-süß aus gerade, echt jetzt! MEGA-SÜSS!!". Okay. Glaube an die Menschheit wieder hergestellt.

Mittelpunkt (?!) der Woche: Das Event zur Enthüllung des neuen Hunt: Showdown Bosses gefiel mir gut - nachdem Crytek die Punkteanforderungen nach unten korrigiert hatte, ist das Biest nun endlich auch zur Jagd freigegeben und ich muss sagen, künstlerisch ist Scrapbeak wahnsinnig gut gelungen. Auch spielerisch macht er ein bisschen was anders - auch wenn man sich nichts vormachen sollte: die Bosse sind auch nur ein Hindernis auf dem Weg zum Sieg und nicht so Raison d'Être wie etwa in Monster Hunter. Auch freue ich mich über die irrsinnigen Benutzerrekorde meines aktuellen Lieblingsspiels - die Rekordspielerzahl auf Steam hat sich mit dem Event mal eben verdoppelt. Aber die Umsetzung muss beim nächsten Mal einfach vom Fleck weg besser laufen.

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Das Quickplay ist immer noch abgeschaltet, um den ächzenden Servern Kapazitäten freizuschaufeln, das System der Echtgeld-Belohnungsboxen wird kaum genutzt und wer sich alle der exklusiven Event-Skins freischalten will, musste bis gestern einen wahnsinnigen Grind hinlegen. Auch das ist mittlerweile behoben, aber für ein paar schiefe Gesichter sorgte das schon (und nein, die waren nicht schon vorher so). Aber gut. Ich liebe es immer noch. Was soll ich machen?

Tiefpunkt der Woche: Seit gestern - und das war leider kein Aprilscherz - sind sowohl Super Mario 35 als auch Super Mario 3D All-Stars nicht mehr im Handel erhältlich. Das ist in zweierlei Hinsicht... sagen wir es diplomatisch: ganz schöner Mist, Nintendo! Dieses Disney-Vault-Experiment spült Scalpern Geld in die Taschen und ist in Sachen Spiele-Konservierung ein eher hässliches Signal. Die kurze Spitze bei den Verkaufszahlen kann es nicht wert gewesen sein. Ich verstehe den Gedanken dahinter genau so wenig wie vor sechs Monaten - außer natürlich unser April-Scherz liegt doch richtig... -, als klar war, dass das hier kommen würde. Bitte, lasst das nicht Schule machen!

Macht angeblich einen Zentimeter am Tag. Ich halte das für realistisch. Ab wann fängt man an, unten Blätter abzunehmen?

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