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F1 22 bringt mehr Lifestyle abseits der Strecke, aber braucht es das?

Ich bin mir nicht sicher.

Wer vergangenes Wochenende das Formel-1-Rennen in Miami gesehen hat, hat vielleicht auch wenig von dem Drumherum mitbekommen. Was in diesem Fall, man könnte jetzt typisch amerikanisch sagen, doch etwas übertrieben wirkte. Dieses Leben abseits der Strecke möchte Codemasters auch in F1 22 noch mehr hervorheben. Die Frage ist: Braucht das Spiel das oder nimmt es nur wertvolle Ressourcen aus anderen Bereichen weg?

Je nachdem, was es ist, tendiere ich eher zu Letzterem. Damit meine ich die Lifestyle-Elemente, die Codemasters im neuesten Teil einführt. Die dienen dazu, die Persönlichkeit eures Fahrers anzupassen, etwa durch Kleidung, eine eigene Wohnung und so weiter. Es gibt auch ein spezielles Pre-Order-Pack mit Kleidung und es würde mich nicht überraschen, wenn ihr solche Sachen später noch hinzukaufen könntet. Ein Schelm, wer denkt, dass es nur deswegen eingeführt wurde.

Mehr Lifestyle in F1 22

Damit einher geht die Einführung der Supercars. Die dienen einerseits als Sammelgegenstand, ihr könnt mit ihnen nach und nach eure Sammlung erweitern. Andererseits habt ihr die Möglichkeit, mit ihnen eure Runden auf den Kursen zu drehen. Sie sorgen zwischendurch für Unterhaltung an einem Formel-1-Wochenende und hier gibt’s etwa Drift-Events oder ihr müsst bestimmte Ziele erreichen. Das bedeutet auch, dass ihr erstmals das Safety Car fahren könnt, sowohl das von Aston Martin als auch das von Mercedes. Wenngleich sie lediglich als Bonus in der Deluxe Edition enthalten sind. Und auch nur in Time Trials gefahren werden können.

So nett das alles auf dem Papier klingt, so sinnlos wirkt es für mich in der Praxis. Es ist nicht das, was ich vom Spiel erwarte. Ich will einfach Formel-1-Rennen fahren und brauche keine solchen Ablenkungen. Nicht mit dabei ist in diesem Jahr der Story-Modus Braking Point. Nicht, weil Codemasters ihn gestrichen hätte, sondern weil man sich Zeit lassen möchte, wie Senior Creative Director Lee Mather während einer Präsentation des Spiels betont. Einen zweijährigen Rhythmus dafür erachte man als optimale Zeitspanne.

Abseits dessen bemüht sich Codemasters darum, unter anderem die Präsentation zu verbessern und Quality-of-Life-Features zu ergänzen. Nehmen wir die Einführungsrunde oder Safety-Car-Phasen als Beispiel. Wenn ihr nicht möchtet, müsst ihr nicht selbst aktiv fahren, sondern könnt euch diese Sequenzen wie bei einer Fernsehübertragung angucken. Auch die neu eingeführten Sprintrennen finden ihren Weg ins Spiel, während ihr bei der Gestaltung eures Teams jetzt mehr farbliche Optionen habt. Auch eine Copy-and-paste-Funktion für ausgewählte Farben gibt es, damit alles am Ende perfekt passt. Es sind die kleinen Dinge, die zählen.

Mehr Spannung in der Box und endlich VR

Für spannendere Boxenstopps soll indes eine neue Mechanik sorgen, bei der es auf das richtige Timing ankommt. Hier geht es um den korrekten Zeitpunkt des Einlenkens vor der wartenden Boxencrew. Nein, ihr könnt sie nicht über den Haufen fahren, aber lenkt ihr zu früh oder zu spät ein, sorgt das einerseits für Unmut beim Team. Andererseits kann es zu Fehlern führen, womöglich hakt es anschließend beim Wechsel eines Reifens oder Frontflügels, wenn dieser getauscht werden muss.

Abseits dessen bemüht sich Codemasters darum, auch mit F1 22 sowohl die Hardcore-F1-Fans als auch Neulinge gleichermaßen anzusprechen. Das zeigt etwa die erwähnte Möglichkeit, Einführungsrunden aktiv zu fahren oder nur zuzuschauen. Hinzu kommen die verschiedenen Einstiegsstufen für My Team und den Karrieremodus, die bestimmten, ob ihr ein Newcomer seid, im Mittelfeld fahrt oder als Titelaspirant antretet. Unterstützt werden soll das durch eine neue und adaptive KI, die sich laut Codemasters besser an eure Fähigkeiten anpasst.

Natürlich werden aktuelle Entwicklungen aus der Rennserie übernommen, weswegen auch der Ferrari diesmal deutlich stärker ist. Von einem anderen Problem, mit dem vor allem Mercedes aktuell zu kämpfen hat – das sogenannte "porpoising", durch das der Wagen über die Strecke "hoppelt" –, wurde Codemasters gleichermaßen überrascht, weswegen es nicht im Spiel umgesetzt ist. Ob dieser Faktor noch später eine Rolle spielt, lässt Mather offen.

Klar ist indes, dass es Crossplay geben wird, wenngleich nicht zum Launch, sondern erst später per Update. PC-Spieler und -Spielerinnen dürften siech wiederum über den endlich implementierten VR-Modus freuen. Wer die Helmkameras bei den Übertragungen der diesjährigen Rennen sieht, kann sich ein ungefähres Bild davon machen, wie das in etwa aussehen wird. Hoffen wir, dass auch Sonys PSVR2 später mit einem solchem Modus bedacht wird.

F1 22 verspricht auch in diesem Jahr ein unterhaltsames Rennspiel zu werden. Sofern die Basics auf der Strecke stimmen, bin ich schon glücklich. Weniger erfreut bin ich von dem neuen Drumherum, die Lifestyle-Elemente und die Supercars. Ich brauche beides nicht und sehe da eher die zusätzlichen Möglichkeiten der Monetarisierung als motivierenden Faktor dahinter. Ich bin mir jetzt schon sicher, dass es nichts zu meinem spielerischen Vergnügen beitragen wird. Umso spannender ist endlich die Implementierung von VR. Da bin ich zwar mangels VR-Headset etwas neidisch auf alle anderen - trotzdem viel Spaß! - und hoffe auf eine spätere Unterstützung von PSVR2.

Über den Autor

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur und seit 2006 bei Eurogamer.de. Benjamin spielt Videospiele hauptsächlich auf Konsolen. Seine Expertengebiete sind breit gefächert, von Shootern und Action-Adventures über RPGs bis hin zu Sportspielen und Rennspielen. Mit Lego, Science Fiction sowie Star Wars und Star Trek beschäftigt er sich ebenfalls gerne.

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