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Pokémon Go: Soll sozialer werden - Aber wer nicht mitmacht, wird bestraft!

Und eine nicht kommunizierte Preiserhöhung.

Niantic hat ein Händchen dafür, unglückliche Entscheidungen bei Pokémon Go zu treffen. Oder zumindest für Entscheidungen, die so wirken, als wäre ihnen ein Teil ihrer Community einfach komplett egal. Das zeigen die neuesten angekündigten Änderungen für das Spiel, mit denen man das ganze Spielen nach zwei Jahren Pandemie wieder sozialer gestalten möchte. Überhaupt scheint Niantic zu denken, dass die Sache überstanden wäre, aber das ist ein anderes Thema...

Eine neue Social-App, die ihr separat herunterladen und verwenden müsst, soll das Finden von Spielern und Spielerinnen im Umkreis erleichtern. Und somit letztlich auch das Raiden. So zumindest der Plan. Spieler und Spielerinnen wünschen sich bereits lange einen In-Game-Chat, der hier nach wie vor fehlt. Die App ist durchaus ein Schritt in die richtige Richtung und erleichtert es hoffentlich den Leuten, sich lokal mit Gleichgesinnten zu vernetzen, ohne auf Facebook, Discord oder andere Plattformen angewiesen zu sein.

Eine weitere gute Sache ist, dass ihr bei lokalen Raid-Kämpfen jetzt die Chance habt, Mega-Energie und XL-Sonderbonbons als zusätzliche Belohnung zu erhalten. Ein zusätzlicher Ansporn dafür, mehr lokale Raids zu machen.

Eine versteckte Preiserhöhung

Andere Entscheidungen sind indes fragwürdiger. Mit Wirkung zum 23. Mai 2022 gibt es zum Beispiel keinen Fern-Raid-Pass mehr in den Boxen für eine Münze, die jeden Montag veröffentlicht werden. Vielmehr gibt es hier in Zukunft zufällig wechselnde Inhalte. Das alles drei Tage im Vorfeld bekannt zu geben, wirkt maximal unglücklich.

Es ist aber nichts gegen die heimlich und ohne Ankündigung durchgeführte Preiserhöhung für ein Dreierpack Fern-Raid-Pässe, die jetzt 300 statt 250 Münzen kosten. Wie gesagt, es gab hier keine Vorwarnung, bemerkt wurde es erst, als der Preis im In-Game-Shop entsprechend geändert wurde. Eigentlich wollte Niantic transparenter im Hinblick auf Änderungen sein, was hier definitiv nicht der Fall war.

Es wirft verschiedene Fragen auf. Einerseits im Hinblick auf die Zukunft der Fern-Raids in Niantics Zukunftsplänen für Pokémon Go. Zu Anfang der Corona-Pandemie eingeführt, haben sie sich als nützliches Werkzeug erwiesen, um die Leute während der Kontaktbeschränkungen noch zusammen raiden zu lassen. Die versteckte Preiserhöhung der Fern-Raid-Pässe, die Reduzierung der Community-Day-Zeit auf drei Stunden und die aktuelle Nutzlosigkeit des Rauch-Items sprechen dafür, dass man die Leute wieder nach draußen treiben möchte.

Wenngleich die Pandemie alles andere als vorbei ist, habe ich kein Problem damit, zusätzliche Anreize für alle zu bieten, die sich nach draußen begeben und an Aktivitäten teilnehmen möchte. Das Problem an Niantics Schritten ist: Für alle anderen, die das a) nicht wollen oder b) nicht können, fühlt es sich wie eine Bestrafung, wie eine Ausgrenzung an.

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Dorfspieler noch immer im Nachteil

Bevor ich Ende 2020 umgezogen bin, habe ich mir rund um meinen früheren Wohnort ein paar schöne Pokéstop- und Arenen-Standorte aufbauen können. Rund um meine neue Wohnung befindet sich wenig und ich sehe wenig, was sich noch als Pokéstop einreichen ließe. Was uns zum nächsten Problem bringt: Dorfspieler und -spielerinnen. Ein beständiges Problem seit dem Start von Pokémon Go.

Durch die Wayfarer-Plattform und das Einreichen von Pokéstops ist das schon besser geworden, aber dennoch hat man als Spieler in weniger dicht besiedelten Gebieten das Gefühl, dass Niantic sich nicht für einen interessiert. Durch den effektiveren Rauch und die Fern-Raid-Pässe hatte ich trotz allem das Gefühl, noch Teil der Community zu sein. Seit den jüngsten Änderungen fühle ich mich ausgegrenzt und es wird nicht besser.

Nicht jeder kann oder will in einen anderen Ort fahren, wo es viele Pokéstops gibt. Wie erwähnt, es ist nicht jeder dazu in der Lage. Menschen, die eine Behinderung haben. Ältere Menschen. Menschen mit Krankheiten, die sich angesichts von Corona von anderen lieber fernhalten sollten oder unter Long-Covid-Folgen leiden. Und so weiter. Es gibt genügend Gruppen von Menschen, die Niantic mit den jüngst durchgeführten Änderungen in Pokémon Go empfindlich trifft und ihnen so zeigt, dass sie als Nicht-Gruppenspieler nicht willkommen sind.

Ebenso gibt und gab es genügend Leute, die trotz effektiverem Rauch und Fern-Raids noch nach draußen gegangen sind und dort ihren Spaß hatten. Und alle anderen waren ebenso glücklich. Weil sie Pokémon Go spielen konnten, wie sie es wollten. Diese Wahlmöglichkeiten nimmt Niantic den Spielern und Spielerinnen. Es ist eine Bestrafung und sie führt bei mir und sicher auch bei vielen anderen nicht dazu, jetzt auf einmal verstärkt nach draußen zu gehen, was einfach auch aus zeitlichen oder anderen Gründen nicht immer möglich ist. Spiele - und damit meine ich nicht alleine Pokémon Go - sollten flexibel sein und nicht von mir fordern, mein Leben nach dem Spiel zu richten, etwa bei den kürzeren Community Days.

Vielleicht lernt Niantic doch noch, dass man Menschen nicht durch Bestrafung zu Dingen "erziehen" sollte. Gebt den Leuten von mir aus mehr Belohnungen, wenn sie vor Ort spielen, aber macht dafür das Spielen aus der Ferne nicht völlig nutzlos. Ich fühle mich als Dorfspieler mittlerweile regelrecht ausgegrenzt und nicht mehr willkommen in diesem Spiel, aktuell mehr als in jedem anderen Jahr seit Release von Pokémon Go. Und damit bin ich nicht alleine. Es wird Zeit, dass Niantic das erkennt und handelt. Ich finde, es ist definitiv möglich, beides - das Spielen aus der Ferne und das Mantra, die Leute zur Bewegung anzuspornen - unter einen Hut zu bringen. Man muss es nur wollen. Ausgrenzungen haben dabei noch nie geholfen.

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur, seit 2006 bei Eurogamer.de und schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps.

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