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Pro Evolution Soccer 6

GC: Weltmeisterlich auch nach der WM?

Der Kampf um die Krone für das beste Fußballspiel war in den letzten Jahren ziemlich langweilig: Konamis Pro Evolution Soccer gewann gegen EAs FIFA regelmäßig zweistellig - nicht zuletzt, weil FIFA seinem Konkurrenten die Torchancen geradezu selbst vorlegte.

Aber PES auf PlayStation 2 oder Xbox zu spielen, hatte immer ein bisschen etwas davon, einen Ferrari auf einer holprigen, kurvenreichen Landstraße zu fahren. Die veraltete Konsolenumgebung wurde der Genialität des Spiels einfach nicht ganz gerecht. Ein Glück also, dass PES 6 im Herbst auch für Xbox 360 erscheinen wird - "Next-Gen-exklusiv", wie es so schön heißt. Bedeutet: Sonys PlayStation 3 pfeift wohl erst den siebten Teil an.

In die Breite gegangen

Die vielleicht auffälligste und zugleich auch spielerisch relevanteste Neuerung ist, dass es einen echten Breitbildmodus gibt. Bei TV-Übertragungen mag man sich ja noch darüber streiten, ob 16:9 das beste Format für Fußball ist, bei Spielen jedoch ist jede Diskussion überflüssig: Auf die größere Übersicht bei langen Pässen freue ich mich schon jetzt.

Um etwas wirklich Gehaltvolles über das Gameplay von PES 6 sagen zu können, reicht das nur kurz mögliche Anspielen auf der Games Convention natürlich nicht richtig aus. Laut Microsoft, die PES 6 als Mehr-oder-weniger-Exklusivtitel ausgiebig anpreisen, gibt es ein neues Animationssystem, das auf den ersten Blick aber nur wie eine hübschere Version des alten aussieht. Die Spieler haben - Next-Gen-typisch - einen leichten Wachsfiguren-Look und es gibt (mehr) In-Game-Werbung. Replays beispielsweise werden von einem Canon-Logo verziert. Ob das nun ein weiteres Pro an Realismus ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Über Xbox-Live-Unterstützung ist offiziell derweils noch nichts bekannt; sie wird es aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit geben.

Zurück

Nach mehreren Proberunden mit den zur Verfügung stehenden Teams von Tschechien, Brasilien, Italien und Spanien machte sich der Eindruck breit, dass sich PES 6 langsamer und steifer anfühlt als Winning Eleven 10. Veränderungen gegenüber dem fünften Teil der Reihe sind also durchaus spürbar, auch wenn es eher in die Richtung des Vor-Vorgängers zu gehen scheint und ein paar Neuerungen von PES 5 zurücknimmt.

Die kleinen Fouls etwa, die in PES 5 viel vom Spielfluss genommen haben und vom Schiedsrichter nur selten geahndet wurden, waren in der GC-Demo jedenfalls kaum anzutreffen, was sicher viele Fans aufatmen lassen wird. Bei Partien, in denen beide Teams ein starkes Pressing einsetzen, kommt dadurch wieder das typische schnelle Kurzpassspiel im Mittelfeld zustande. Allerdings haben die Vorjahre gezeigt, dass sich zwischen Games Convention und Release viel ändern kann - ganz einfach, weil sich bei PES fast jede noch so kleine Änderung auf den Spielablauf auswirkt und die letzte Phase der Entwicklung wichtiger ist als bei den meisten anderen Spielen.

Weitere Verbesserungen gibt es bei der Künstlichen Intelligenz, welche die Teamkollegen endlich selbständig in freie Räume rennen lassen soll, was vereinzelt auch schon erkennbar war, sowie den Feinheiten für begabte Techniker: Rückwärtsdribblings sind da zum Beispiel zu nennen. Außerdem ist es möglich, den Ball bei Grätschen zu behalten. Ach ja, und der Schwierigkeitsgrad des Spiels soll dieses Mal wieder höher sein: Microsoft ist offenbar der Ansicht, dass Konami Winning Eleven 10 nur deshalb einfacher gemacht hat, um mehr Japaner im Jahr der Weltmeisterschaft ansprechen zu können - und dabei dachte ich (spätestens seit meinem Sushi-Kochkurs), Japaner wären weltweit die Spieler mit den geschicktesten und flinkesten Fingern.

Einige neue Animationen gab es ebenfalls zu sehen, darunter hübsch anzuschauende Paraden, bei denen der Torhüter den Ball mit einer Hand gerade noch so von seinem Kasten weglenkt. Im Großen und Ganzen aber ist sehr vieles an PES 6 altbekannt.

Bug oder Feature?

Klar auch, dass PES 6 keinen ganz runden Eindruck machte. Neben ein paar kleinen und ganz gewöhnlichen Fehlern fielen die deutlichen Slowdowns bei schnellen Seitenwechseln doch recht stark auf und auch die Torhüter verhielten sich stellenweise noch recht merkwürdig. Dida, dem brasilianischen Keeper, unterlief einmal sogar ein Fauxpas wie Oliver Kahn damals in der Champions League: Er ließ den Rückpass eines Abwehrspielers unter seinem Fuß hindurch ins Tor kullern - vermutlich nicht so beabsichtigt.

Um zu einem kleinen Fazit zu kommen: FIFA 07 versucht im Herbst, etliches besser zu machen. Es soll glaubwürdige Spielerattribute geben, nach denen sich die Akteure auf dem Rasen auch verhalten, mehr Abwechslung im Spielaufbau, schönere Animationen, und, und, und. Die Sache ist nur, dass Pro Evolution Soccer schon immer auf genau diese Punkt wert gelegt, sie beinahe perfektioniert hat; und damit auch in diesem Herbst als Sieger aus dem ewigen Duell hervorgehen könnte.

Pro Evolution Soccer 6 wird im Oktober für Xbox 360, PS2, PSP, PC und DS erscheinen.

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